22. März 2022, aktualisiert 22. März 2022, 10:36 Uhr
Der ukrainische Präsident fordert seine Landsleute auf, durchzuhalten und Widerstand zu leisten. Unterdessen sollen Menschen aus der belagerten Stadt Mariupol evakuiert werden. Die Lage im Ãberblick.
In einer Videobotschaft an alle Ukrainer hat Staatschef Wolodymyr Selenskyj seine Landsleute zum Widerstand und zum Durchhalten aufgerufen. Mit Blick auf die aktuellen Verhandlungen mit der russischen Seite lieà er durchblicken, dass jede Einigung mit dem Gegner dem ukrainischen Volk zur Abstimmung per Referendum vorgelegt werden müsse. In den USA warnte unterdessen Präsident Joe Biden vor russischen Cyberangriffen in den USA und dem Einsatz von Bio- und Chemiewaffen in der Ukraine.
Es folgen Entwicklungen rund um den Krieg in der Ukraine. Zum Teil lassen sich Angaben nicht unabhängig überprüfen.
Ukraine: Drei Fluchtkorridore für Menschen aus Mariupol geplant
In der belagerten ukrainischen Stadt Mariupol sollen am Dienstag nach Regierungsangaben drei Fluchtkorridore geöffnet werden. Das teilte die Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk in einer auf Telegram veröffentlichten Videobotschaft mit. Die Menschen sollen demnach aus den umliegenden Orten Berdjansk, Jurjiwka und Nikolske in die GroÃstadt Saporischschja gebracht werden.
Es sei klar, dass es nicht genügend Plätze gebe, sage Wereschtschuk weiter. Deswegen bitte man die Bürgerinnen und Bürger, den Anweisungen der Behördenvertreter vor Ort zu folgen und organisiert zu den Bussen zu gehen. Wereschtschuk versprach, niemand werde zurückgelassen. Man führe weiter täglich Evakuierung durch, bis alle Menschen aus der Stadt gebracht worden seien.
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Lindner sagt Ukraine Hilfe beim Wiederaufbau zu
âWir hoffen auf baldigen Friedenâ, sagt Finanzminister Christian Lindner (FDP) im Bundestag. Deutschland werde die Ukraine beim Wiederaufbau unterstützen. Die Solidarität sei von Dauer. International abgestimmt sei ein Wiederaufbauplan nötig.
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Ukraine will versuchen Mariupol zu evakuieren
Die ukrainische Regierung konzentriert sich bei der Rettung von Zivilisten auf die eingeschlossene Stadt Mariupol. Das erklärt Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. Dabei erwähnt sie jedoch keine neuen Vereinbarungen mit Russland für die Einrichtung von Fluchtkorridoren. Die stellvertretende Regierungschefin listet eine Reihe von Treffpunkten auf, von denen aus der Versuch unternommen werden soll, Zivilisten mit Bussen in Sicherheit zu bringen. Mariupol ist allerdings nicht auf der Liste. Die südostukrainische Hafenstadt mit einst 400.000 Einwohnern liegt mittlerweile weitgehend in Trümmern. Die Situation für die Menschen gilt als katastrophal.
Zweite Abramowitsch-Superyacht in türkischem Hafen vor Anker
Eine zweite Superyacht, die dem russischen Milliardär Roman Abramowitsch gehören soll, hat offenbar in der Türkei angelegt. Die âEclipseâ, die mit einer Länge von 162,5 Metern zu den gröÃten Yachten der Welt zählt und unter der Flagge der Bermudas fährt, sei am Dienstag vor dem südwestlichen Badeort Marmaris vor Anker gegangen, hieà es aus Kreisen der Hafenverwaltung. Erst am Montag soll mit der âSolarisâ eine Abramowitsch-Yacht im nahe gelegenen Bodrum angekommen sein. Schiffsverkehrsdaten zufolge hatte sie die Gewässer der EU umfahren, die Abramowitsch und andere Oligarchen wegen des russischen Einmarsches in der Ukraine mit Sanktionen belegt hat. Die âEclipseâ verfügt laut Medienberichten über zwei Hubschrauberlandeplätze, neun Decks, einen Swimmingpool und eingebaute Raketenabwehrsysteme.
Sowohl die âEclipseâ als auch die âSolarisâ wurden in deutschen Werften gebaut. Sie gehören den Magazinen âSuperYachtFanâ, âSuperYachtâ und âForbesâ zufolge zu einer Reihe von Yachten im Besitz von Abramowitsch. Es gab keine Hinweise darauf, dass sich Abramowitsch an Bord eines der Schiffe befand. Er war in der vergangenen Woche in seinem Privatjet von Istanbul nach Moskau geflogen. Den Flugdaten zufolge war dies die zweite Reise eines mit Abramowitsch in Verbindung stehenden Jets zwischen der türkischen Bosporus-Metropole und der russischen Hauptstadt binnen drei Tagen.
Selenskyj will über Absprachen mit Moskau abstimmen lassen
Selenskyj will über alle in Verhandlungen mit Russland erzielten Vereinbarungen landesweit per Volksabstimmung entscheiden lassen. Das kündigte der Staatschef am Montagabend im Fernsehen an. Die abschlieÃende Form von Kompromissen mit Russland über Sicherheitsgarantien sowie über die besetzten Gebiete der Ukraine müsse in einem Referendum abgesegnet werden. Beide Kriegsparteien verhandeln derzeit miteinander. Konkrete Vereinbarungen gibt es aber bislang noch nicht.
Bei den Verhandlungen mit Moskau geht es zunächst um einen neutralen Status der Ukraine und internationale Sicherheitsgarantien für das Land. âUm einen Ausweg zu finden, muss man einen ersten Schritt machenâ, sagte Selenskyj. âUnd wenn wir das geschafft haben, können wir reden.â Er wäre dann bei einem Treffen mit seinem Widersacher, Kremlchef Wladimir Putin, bereit zu Gesprächen über die besetzten Gebiete. Gemeint sind damit die Krim und die abtrünnigen, selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk. Moskau fordert unter anderem die Anerkennung der Krim als russisches Staatsgebiet.
Das sind die gröÃten Militärmächte der Welt
Er erwarte zwar nicht, alle Fragen bei Gesprächen mit Putin zu lösen. âAber es gibt eine Chance, einen Teil davon lösen, den Krieg zu beendenâ, sagte Selenskyj. Zugleich warnte er Putin vor einer Fortsetzung des Kriegs: âIndem er uns vernichtet, vernichtet Putin sich selbst.â
Russische Zeitung nennt hohe Opferzahl in Ukraine
Die kremlnahe russische Zeitung âKomsomolskaja Prawdaâ hat hohe Zahlen angeblich in der Ukraine getöteter Russen veröffentlicht â" und später wieder gelöscht. In einem Online-Artikel vom Sonntag war unter Berufung auf das Verteidigungsministerium die Rede von 9861 russischen Soldaten, die seit Beginn des Kriegs gestorben sein sollen, wie aus einer archivierten Version des Textes hervorgeht. Das wären deutlich mehr als die 498 Toten, die Moskau bislang offiziell bestätigt hat. Einige Stunden später war die entsprechende Passage aus dem Artikel der âKomsomolskaja Prawdaâ allerdings wieder verschwunden.
Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak kommentierte auf Twitter, dass âdie russische Kunst des Lügensâ nicht mehr helfe. âEin Desaster für die Propaganda Russlands, in der echten Welt gibt es aber fast schon doppelt so viele tote Russen.â
Selenskyj ruft zu Widerstand und Durchhalten auf
Angesichts der zunehmenden Gewalt gegen Zivilisten in der Ukraine hat Präsident Selenskyj seine Landsleute zum Widerstand gegen Russlands Truppen und zum Durchhalten aufgerufen. In einer am Montagabend verbreiteten Videobotschaft appellierte er an die Ukrainer, alles zu tun, um den Staat zu schützen. âUm unser Volk zu retten. Kämpft. Kämpft und helft!â Der in Kiew ausharrende Staatschef rief dazu auf, die âEindringlingeâ zu vertreiben. âDamit die Ukraine lebt, und wir alle gemeinsam mit ihr, frei und in Frieden.â
In seiner Ansprache an das âgroÃe Volk der groÃen Ukraineâ bezeichnete Selenskyj die russischen Militärs als âTouristen mit Panzernâ und âSklaven ihrer Propaganda, die ihr Bewusstsein verändert hatâ.
Biden zu Hyperschall-Rakete: Putin steht mit Rücken zur Wand
US-Präsident Joe Biden sieht den russischen Einsatz der schnellen âKinschalâ-Rakete im Ukraine-Krieg auch als Zeichen der Schwäche Russlands. âSie haben gerade die Hyperschall-Rakete gestartet, weil es das Einzige ist, was sie mit absoluter Sicherheit durchbringen könnenâ, sagte Biden am Montagabend (Ortszeit) in Washington. Es sei fast unmöglich, die Rakete zu stoppen. Die Ukrainer würden groÃen Schaden an Russlands Panzern, Hubschraubern oder Flugzeugen anrichten â" auch mit den Waffen der westlichen Verbündeten. âUnd jetzt steht Putin mit dem Rücken zur Wand.â Der russische Präsident habe nicht mit der Einheit der Nato gerechnet. Je mehr Putin mit dem Rücken zur Wand stehe, desto härter werde die Taktik, die er anwende. Zugleich warnte Biden vor russischen Cyberangriffen in den USA und dem Einsatz von Chemie- und Biowaffen in der Ukraine.
von Maximilian Sachse, Max Biederbeck
Ukrainische Spionageabwehr stoppt möglichen Anschlag auf Selenskyj
Die ukrainische Spionageabwehr hat ein mögliches Attentat auf Präsident Selenskyj nach eigenen Angaben gestoppt. Eine Gruppe von russischen Saboteuren, angeführt von einem Geheimdienstler, sei in der Stadt Uschgorod im Dreiländereck zwischen der Ukraine, der Slowakei und Ungarn festgenommen worden, berichtete die Agentur Unian in der Nacht zum Dienstag. Zum Auftrag der etwa 25 Männer gehörten neben dem Anschlag auf Selenskyj in Kiew auch die Ausführung einer Reihe von Sabotageakten im Regierungsviertel sowie in anderen Landesteilen der Ukraine.
Bürgermeister fordert Zivilisten zum Verlassen von Boryspil auf
Offenbar in Erwartung russischer Angriffe hat der Bürgermeister von Boryspil die Zivilbevölkerung zum Verlassen der Stadt aufgerufen. Sein Aufruf gelte auch für alle Zivilisten, die aus anderen Teilen der Ukraine in die südöstlich von Kiew gelegene Stadt geflüchtet seien, sagte Wolodymyr Borissenko in der Nacht zum Dienstag. Der Appell zur Evakuierung erfolge aus rein militärtaktischen Gründen. âDie Erfahrung aus anderen Orten, um die gekämpft wird, hat gezeigt, dass die Arbeit der Streitkräfte einfacher ist, wenn weniger Zivilbevölkerung in der Stadt istâ, sagte Borissenko.
UN-Vollversammlung will über neue Ukraine-Resolution beraten
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen soll am Mittwoch zu Beratungen über eine weitere Resolution im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zusammenkommen. Für die Beschlussvorlage mit dem Namen âhumanitäre Folgen der Aggression gegen die Ukraineâ wurde mit breiter Zustimmung in dem mit 193 Mitgliedern gröÃten UN-Gremium gerechnet.
Das sind die Vereinten Nationen (UN)
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