Ukraine-Krieg schürt Angst vor globaler Hungersnot und neuen Flüchtlingswellen - „effektiver als Atombomben“


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  • Erstellt: 10.03.2022Aktualisiert: 10.03.2022, 16:27 Uhr

    Von: Jonas Raab

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    Der Ukraine-Krieg führt zu einer extremen Verknappung von Getreide, insbesondere von Weizen. Schwellenländer schlagen Alarm. Auch die EU zeigt sich besorgt.

    Kiew/Moskau/Brüssel - Der Ukraine-Krieg lässt den Weizen-Preis explodieren. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat er sich fast verdoppelt, denn im Krieg befinden sich die beiden Kornkammern der Welt. Etwa ein Drittel des weltweit gehandelten Weizens stammt aus diesen beiden Ländern. In den Schwellenländern wächst die Angst vor einer Hungerkrise, doch auch in Europa wachsen die Sorgenfalten â€" zumal die Korn-Knappheit eine ungeahnte Flüchtlingswelle auslösen könnte.

    Das Ackerland in der Ukraine ist mittlerweile vielerorts ein Schlachtfeld, die Exporthäfen am Schwarzen Meer sind aufgrund der Kriegsgeschehnisse dicht und Weizen ist für Länder wie den Libanon, Syrien, Libyen und Somalia unbezahlbar geworden. „Putin muss gar keine Atombomben einsetzen“, sagt ein Rohstoffexperte, der nicht genannt werden will, dem Handelsblatt. Ein Agrarkrieg sei viel effektiver, um den Westen und die ganze Welt zu destabilisieren. 

    Weizen-Knappheit: Ukraine-Krieg sorgt für Hungersnot in Schwellenländer

    Das Weizen-Problem ist längst bekannt: Nach Einschätzung von UN-Experten wird der Ukraine-Krieg auch die Lage von Millionen notleidenden Menschen in Syrien weiter verschlechtern. Die syrische Bevölkerung leide unter einer „erdrückenden Armut“ und blicke „in einen neuen Abgrund“, insbesondere die Vertriebenen, warnte der Leiter der Syrien-Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrates, Paulo Pinheiro, am Mittwoch (9. März). Zugleich äußerte er die Befürchtung, dass sich das Schicksal der Zivilisten in Syrien nun in der Ukraine infolge der russischen Kriegsführung wiederholen könne.

    Weizen aus der Ukraine und aus Russland ist derzeit Mangelware. (Symbolbild) © IMAGO / ZUMA Wire

    90 Prozent der syrischen Bevölkerung leben Pinheiro zufolge bereits unter der Armutsgrenze. Mehr als 14 Millionen Menschen sind demnach auf humanitäre Hilfe angewiesen, zwölf Millionen haben zu wenig zu essen. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine werde den Druck auf die schon stark gestiegenen Preise erhöhen, sagte er. Mehr als die Hälfte des eingeführten Weizens komme aus diesen beiden Ländern.

    Ukraine-Krieg macht wichtige Lebensmittel wie Weizen weltweit knapp

    Der Beginn des Bürgerkriegs in Syrien jährt sich am 15. März zum elften Mal. Mehr als zwölf Millionen Syrer sind seit 2011 vertrieben worden, mehr als sieben Millionen davon im eigenen Land. Syrien leidet zudem seit Monaten unter einer schweren Wirtschaftskrise, die zu explodierenden Preisen sowie starken Engpässen bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Benzin geführt hat. Wegen Dürre und schlechter Ernten müsste Syrien eigentlich verstärkt Weizen einführen. Schon im vergangenen Jahr hatten Helfer von einer Hungerkrise berichtet.

    Auch in Europa bereitet die Weizen-Knappheit Sorgen â€" auch in Bayern. So warnte beispielsweise der irische Landwirtschaftsminister Charlie McConalogue kürzlich in einem Fernsehinterview davor, dass es in den kommenden Monaten zu Versorgungsengpässen kommen könnte.

    Ukraine-Krieg: Grünen-Politikerin Schulze schlägt wegen Sorgen um Weizen-Knappheit Alarm

    Auch Deutschlands Entwicklungsministerin Svenja Schulze warnte am Rande eines EU-Treffens im französischen Montpellier vor den Folgen der Weizen-Knappheit für die globale Lebensmittelversorgung: „Wenn diese Exporte nun wegbrechen, werden Nahrungsmittelpreise weiter steigen, obwohl sie durch Corona und die hohen Energie- und Düngerpreise schon jetzt auf Höchstständen sind“, sagte die Grünen-Politikerin.

    In Brüssel steht Weizen mittlerweile ziemlich weit oben auf der Agenda. Am Mittwoch (9. März) trifft sich die EU-Kommission mit den großen Agrarlobbygruppen, um die Auswirkungen des Ukrainekriegs auf die Ernährungssicherheit der Europäer zu diskutieren. Laut Handelsblatt soll es dabei sogar um die Überlegung gehen, die agrar- und umweltpolitischen Ziele des Klimapakets Green Deal und den damit verbundenen Ausbau der biologischen Landwirtschaft abzuschwächen. (jo/AFP/dpa)

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