Ukraine-Krieg im Ticker: Polizei von Lemberg fasst mutmaßliche russische Spitzel


Der Kriegsverlauf in der Ukraine im Ticker: Russische Raketen treffen Treibstofflager in Dubno - Bericht: Russen verstecken Panzer unter Bäumen

Vor einem Monat hat der russische Angriffskrieg in der Ukraine begonnen. 70 Krankenhäuser wurden laut WHO angegriffen. Die Stadt Cherson bleibt weiter umkämpft und die russische Armee scheint ihre Taktik zu ändern, Alle Neuigkeiten zum Angriff auf die Ukraine finden Sie im Ticker.

Das Wichtigste zum Krieg in der Ukraine 08.10 Uhr: Polizei von Lemberg fasst mutmaßliche russische Spitzel 06.48 Uhr: Drei Tote nach Übernahme der Kleinstadt Slawutytsch 06.00 Uhr: Forschungsreaktor in Charkiw erneut unter Beschuss 5.57 Uhr: Mariupols Bürgermeister: Russen wollen "Stadt von der Erdoberfläche ausradieren" 5.50 Uhr: 12 Journalisten im Ukraine-Krieg getötet 22.33 Uhr: Russische Raketen treffen Treibstofflager in Dubno 20.46 Uhr: Russen verstecken offenbar Panzer unter Bäumen 20.23 Uhr: Ukrainer vertreiben Russen aus Stadt bei Sumy 16.27 Uhr: Bürgermeister von Tschernihiw: „Die Stadt ist komplett verwüstet"

 

Polizei von Lemberg fasst mutmaßliche russische Spitzel

08.10 Uhr: Die Polizei der westukrainischen Metropole Lwiw (Lemberg) hat zwei mutmaßliche russische Spitzel gefasst. Die Behörde teile auf Facebook mit, dass am Samstag ein verdächtiges Auto angehalten wurde. Die Beamten haben bei der Überprüfung der Papiere Videos und Fotos von ukrainischen Truppenbewegungen und ein Telefon mit mehreren russischen Kontakten gefunden.

Zudem nahm die Polizei einen weiteren Mann fest, nachdem er den Luftangriff auf die Stadt gefilmt hatte. Videos und Bilder davon sowie von mehreren Sicherheits-Checkpoints in Lwiw soll er an zwei russische Telefonnummern gesendet haben, so die Polizei.

 

Drei Tote nach Übernahme der Kleinstadt Slawutytsch

06.48 Uhr: Die russische Armee hat nach ukrainischen Angaben die Kontrolle über die Kleinstadt Slawutytsch übernommen, den Wohnort des Personals der Atomruine von Tschernobyl. Wie die Militärverwaltung der Region Kiew am Samstag im Messengerdienst Telegram mitteilte, drangen russische Soldaten in die Stadt ein, besetzten das städtische Krankenhaus und nahmen kurzzeitig den Bürgermeister gefangen. Stunden später kam Bürgermeister Juri Fomitschew dann wieder frei. Am Abend meldete er den Tod von drei Menschen. 

Aus Protest gegen die Besatzung waren die Einwohner von Slawutytsch auf die Straßen gegangen und mit einer riesigen ukrainischen Flagge Richtung Krankenhaus gezogen, wie die Regionalbehörden bekannt gaben. Die Militärverwaltung veröffentlichte Bilder, auf denen sich Dutzende Menschen um eine ukrainische Flagge versammeln und „Ruhm der Ukraine" skandieren. Das russische Militär habe Warnschüsse abgegeben und die Demonstranten mit Blendgranaten beworfen. 

Die Demonstration mit 5000 Menschen habe friedlich geendet, sagte Fomitschew der Nachrichtenagentur AFP, die den Bürgermeister nach seiner Freilassung telefonisch erreichen konnte. „Ich bin freigelassen worden, alles ist in Ordnung, soweit sich das unter Besatzung sagen lässt", sagte er. Er versicherte den Bürgern dass die russischen Truppen die Stadt bald wieder verlassen würden.

Wenig später teilte Fomitschew allerdings in einem auf Facebook veröffentlichten Video mit, dass mindestens drei Menschen gestorben seien - ohne jedoch anzugeben, wann und unter welchen Umständen.

 

Forschungsreaktor in Charkiw erneut unter Beschuss

06.00 Uhr: Der nukleare Forschungsreaktor „Neutronenquelle" in der ostukrainischen Stadt Charkiw ist nach lokalen Medienberichten erneut unter Artilleriebeschuss geraten. „Eine Überprüfung des Ausmaßes der Schäden ist wegen der ununterbrochenen Kampfhandlungen in der Umgebung der nuklearen Anlage unmöglich", teilte die staatliche Atomaufsicht mit. Die Anlage war vor knapp zwei Wochen bei einer Bombardierung beschädigt und von der Energieversorgung abgeschnitten worden. Allerdings war der Reaktor schon zu Kriegsbeginn in einen sogenannten unterkritischen Zustand heruntergefahren worden.

 

Mariupols Bürgermeister: Russen wollen „Stadt von der Erdoberfläche ausradieren"

5.57 Uhr: Die Verteidiger der ukrainischen Hafenstadt Mariupol leisten den russischen Angreifern nach den Worten von Bürgermeister Bojtschenko „heroischen Widerstand". In einem Gespräch mit der Agentur Unian berichtete er in der Nacht zum Sonntag von extrem schweren Kämpfen. Er warf den russischen Militärs vor, rücksichtslos gegen alle Bewohner der inzwischen schwer zerstörten Stadt vorzugehen, auch gegen die ethnischen Russen. „Sie hatten nicht den Auftrag, irgendjemanden zu schützen", sagte Bojtschenko. „Ihre Aufgabe ist einfach, die Stadt von der Erdoberfläche auszuradieren, samt Bewohnern." Dies sei schlicht Völkermord, „eine andere Bezeichnung kann es dafür nicht geben". Über Mariupol wehe aber weiterhin die ukrainische Flagge, es bleibe weiterhin eine ukrainische Stadt.

 

Über die Zukunft der Stadt oder gar deren Befreiung durch ukrainische Truppen von außerhalb wollte sich Bojtschenko nicht äußern. „Selbst der Generalstab der ukrainischen Armee hat darauf sicher keine Antwort", meinte Bojtschenko. „Ich denke, wir müssen Geduld und Kraft haben, die Zeit wird es zeigen."

 

12 Journalisten im Ukraine-Krieg getötet

Sonntag, 27.03.2022, 4.50 Uhr: In der Ukraine sind seit Kriegsausbruch vor einem Monat bereits zwölf Journalisten ums Leben gekommen. Weitere zehn Reporter seien im Verlauf der Kämpfe teils schwer verletzt worden, teilte Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa auf ihrer Facebook-Seite mit. «Der Welt die Wahrheit über Putins Aggression zu berichten, ist tödlich - im Krieg sind schon zwölf Journalisten gestorben», schrieb sie. Nach ihrer Lesart wurden die Reporter von russischen Militärs getötet. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Insgesamt seien nach den bisherigen Ermittlungen mindestens 56 Medienvertreter angegriffen worden, darunter 15 Ausländer.

  Russische Raketen treffen Treibstofflager in Dubno

22.33 Uhr: Russische Truppen haben am Samstag ein Treibstofflager in Dubno im Westen der Ukraine unter Beschuss genommen. Eine der beiden auf das Lager abgefeuerten Raketen sei abgeschossen worden, sagte der regionale Militärchef Vitali Kowalj bei Telegram. „Die zweite hat leider das Treibstofflager getroffen." Über Schäden oder weitere Auswirkungen des Angriffs machte Kowalj keine Angaben. „Der Schaden wird ausgewertet", sagte er.

Kiew: USA haben „keine Einwände" gegen polnische Kampfjet-Lieferung

22.26 Uhr: Die USA haben nach ukrainischen Angaben „keine Einwände" gegen die Lieferung von Kampfjets durch Polen an die Ukraine. Das teilte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba der Nachrichtenagentur AFP am Samstag schriftlich mit. Er fügte hinzu: „Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der Polen."

Kuleba war am Samstag mit US-Präsident Joe Biden in Polen zusammengetroffen. Bei dem Treffen waren die Außen- und Verteidigungsminister der Ukraine und der USA dabei. Es war Bidens erstes persönliches Treffen mit hochrangigen Vertretern der Regierung in Kiew seit Beginn des Ukraine-Kriegs am 24. Februar.

Kuleba erklärte mit Blick auf die Kampfjets nun, dass diese Frage nun weiter mit der polnischen Seite besprochen werden solle. „Aber ich will klar machen: Die Ukraine braucht unbedingt mehr Kampfflugzeuge." Es müsse im Luftraum ein „Gleichgewicht" hergestellt werden, um Russland von weiteren Luftangriffen abzuhalten. Diese Frage müsse „schnellstmöglich" geklärt werden.

Warschau hatte am 8. März offensichtlich für die USA überraschend angekündigt, dass es bereits sei, all seine Kampfflugzeuge vom Typ Mig-29 auf die US-Luftwaffenbasis nach Ramstein in Deutschland zu verlegen. Von dort hätten die USA die Kampfjets an die Ukraine überstellen sollen. Washington hatte diesen Vorschlag abgelehnt. Das Verteidigungsministerium in Washington hatte gewarnt, dass dies eine Eskalation auch für die Nato zur Folge haben könnte.

 

Bericht: Russen verstecken Panzer unter Bäumen

20.46 Uhr: Auf Satellitenbildern des US-Unternehmens „Maxar" ist zu sehen, wie russische Einheiten südlich von Charkiw ihre Panzer und anderes Kriegsgerät unter und zwischen Bäumen verstecken. Man wolle sich so vor der ukrainischen Abwehr schützen, heißt von US-Offiziellen.

  Ukrainische Medien: Russische Soldaten flüchten aus Stadt bei Sumy

20.23 Uhr: Ukrainische Soldaten haben eigenen Angaben zufolge russische Truppen aus einer Stadt unweit von Sumy im Nordosten der Ukraine vertrieben. Die Russen hätten in Trostjanez Waffen, Munition und Ausrüstung hinterlassen, schrieben mehrere Medien am Samstag unter Berufung auf die 93. Brigade der ukrainischen Streitkräfte. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Zuvor hatte das ukrainische Militär über Kämpfe in Trostjanez berichtet.

Die Region Sumy wird seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine vor mehr als vier Wochen angegriffen. Auch in der angrenzenden Region Charkiw gibt es schwere Kämpfe.

Abtrünnige georgische Region Südossetien schickt Soldaten in die Ukraine

19.14 Uhr: Die abtrünnige georgische Region Südossetien hat nach eigenen Angaben Truppen zur Unterstützung ihres Verbündeten Russland in die Ukraine entsandt. „Unsere Jungs werden ihre militärische Pflicht mit stolz erhobener Fahne erfüllen", erklärte der Machthaber Südossetiens, Anatoli Bibilow, am Samstag im Online-Dienst Telegram.  Nach seinen Worten „brennen" die Soldaten für den Einsatz. „Sie verstehen genau, dass sie Russland verteidigen werden, dass sie auch Ossetien verteidigen werden", erklärte Bibilow.

Er berief sich auf Aussagen von Kreml-Chef Wladimir Putin, der den russischen Militäreinsatz in der Ukraine unter anderem damit rechtfertigt, dass die Armee dort gegen „Nazis" kämpfe. „Wenn der Faschismus nicht an den fernen Grenzen zerschlagen wird, wird er sich morgen wieder hier manifestieren", sagte Bibilow.

Wie viele Soldaten entsandt wurden, teilte er nicht mit. Bibilow veröffentlichte jedoch ein Video, in dem zu sehen war, wie mehrere Busse und Lastwagen unterwegs waren.

Im Jahr 2008 hatten sich Russland und Georgien einen kurzen, aber verlustreichen Krieg um Südossetien geliefert. Nach der militärischen Auseinandersetzung erkannte Russland Südossetien und die Separatistenregion Abchasien als unabhängige Kleinstaaten an und stationierte dort Soldaten.

Bürgermeister von Tschernihiw: „Die Stadt ist komplett verwüstet"

16.27 Uhr: Der Bürgermeister der nordukrainischen Stadt Tschernihiw hat große Zerstörungen durch russische Truppen beklagt. „Die Stadt ist komplett verwüstet", sagte Wladyslaw Atroschenko am Samstag. In den vergangenen Wochen seien in der Stadt, die nahe der russischen und der belarussischen Grenze liegt, mehr als 200 Zivilisten getötet worden. Von den mehr als 285.000 Einwohnern, die Tschernihiw vor dem Krieg zählte, sei demnach mittlerweile nicht einmal mehr die Hälfte übrig, sagte Atroschenko. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Der Bürgermeister beschrieb eine katastrophale humanitäre Lage in seiner Stadt. Russische Soldaten hätten eine Brücke zerstört, die in Richtung Kiew führte. Nun sei es nicht mehr möglich, Fluchtkorridore für Zivilisten einzurichten. Auch die Stromversorgung funktioniere nicht mehr. Aufgeben werde man aber nicht, betonte Atroschenko. Das Stadtbild wird durch zahlreiche mittelalterliche Kirchen und Klöster geprägt, von denen nach ukrainischen Angaben mindestens zwei beschädigt worden sind. Die Ukraine strebt für das Zentrum von Tschernihiw den Status als Weltkulturerbe an.

Kiew warnt: Der Gegner hört mit

16.19 Uhr: Das ukrainische Verteidigungsministerium hat im russischen Angriffskrieg vor vorschnellen und unkontrollierten Berichten über Waffenlieferungen oder militärische Aktionen gewarnt. Diese spiele nur der russischen Seite in die Hände und helfe ihr, „Aktionen genauer auszurichten", sagte die stellvertretende Verteidigungsministerin Hanna Maljar am Freitagabend. Es sei bereits vorgekommen, dass „gut gemeinte oder aus Dankbarkeit veröffentlichte Berichte" über Waffenkäufe oder -lieferungen dazu geführt hätten, dass entweder Verträge gekündigt oder Lieferungen verhindert worden seien. „Und daher versuchen wir heute unter Kriegsbedingungen zu verhindern, dass Informationen über Hilfe, die wir erhalten, durchsickern", sagte Maljar.

Sie erinnerte zugleich an ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz, das die unbefugte Verbreitung von militärischen Informationen unter Strafe stellt. Über Details von Militäraktionen dürfe erst gesprochen werden, wenn sie der Generalstab veröffentlicht habe. Sonst drohten der ukrainischen Armee „unnötige Verluste". Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete das Gesetz am Samstag, wie die Agentur Unian meldete.

Kind mit schweren Verbrennungen aus Ukraine nach Prag gebracht

15.55 Uhr: Mit Hilfe der tschechischen Armee ist ein Kleinkind mit schweren Verbrennungen aus der Ukraine nach Prag geflogen worden. Ein Flugzeug brachte das 18 Monate alte Mädchen am Samstag vom nächstgelegenen polnischen Flughafen in Rzeszow in die tschechische Hauptstadt, wie das tschechische Innenministerium mitteilte. Dort soll das Kind, das Verbrennungen an 60 Prozent seines Körpers erlitten hat, in einer Spezialklinik für Brandopfer behandelt werden. Es wurde von seiner Mutter begleitet. Der Transport fand im Rahmen des seit 1993 bestehenden medizinischen Evakuierungsprogramms „Medevac" der tschechischen Regierung statt.

Der EU-Mitgliedstaat hilft auch auf andere Weise. Der Prager Rettungsdienst spendete sechs Fahrzeuge für die von Russland angegriffene Ukraine. „Wir sind alle froh, dass wir die Fahrzeuge dorthin schicken können, wo sie jetzt am meisten gebraucht werden", schrieb ein Sprecher bei Twitter. Es handelt sich demnach um drei Notarzteinsatzfahrzeugen, zwei Krankentransportwagen und einen Großraumrettungswagen. Die tschechische Berufsfeuerwehr stellte zudem sechs Drehleiterfahrzeuge für ihre Kollegen in der Ex-Sowjetrepublik zur Verfügung.

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