Ukraine-Krieg Ticker: Erneut Diskussion über Energie-Embargo


Die Berichterstattung aus der Ukraine ist derzeit schwierig, da wegen der Kämpfe kaum noch unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

11:19 Uhr | Butscha: EU-Staatschefs fordern weitere Aufklärung

Nach den Gräueltaten im ukrainischen Butscha haben mehrere EU-Länder Aufklärung gefordert. Polens Regierungschef Morawiecki schlug eine internationale Kommission vor, um die Verbrechen zu untersuchen. Er sprach von einem blutigen Massaker und warf Russland Völkermord vor. Spaniens Regierungschef Sánchez sagte, der Internationale Strafgerichtsgerichtshof müsse sich mit dem Thema befassen. Frankreichs Präsident Macron sprach sich für neue Sanktionen gegen Russland aus.

Russland hingegen legt nach den Manipulationsvorwürfen gegen die Ukraine nach. Der russische Chefermittler Alexander Bastrykin kündigt offizielle Ermittlungen zu den Vorgängen an, die er als "Provokation" der Ukraine bezeichnet. Die Ermittlungen sollten auf der Grundlage eingeleitet werden, dass die Ukraine "absichtlich falsche Informationen" über die russischen Streitkräfte in Butscha verbreitet habe.

10:52 Uhr | Frauenhilfsorganisation warnt vor Gefahr der Ausbeutung von Ukrainerinnen

Die Frauenhilfsorganisation Solwodi hat vor der Gefahr der Ausbeutung geflüchteter Ukrainerinnen gewarnt. "Wir rechnen damit, dass in den kommenden Monaten deutlich mehr Frauen aus der Ukraine Unterstützung bei uns suchen werden", sagte die Solwodi-Vorsitzende Maria Decker dem Evangelischen Pressedienst.

Es sei zu befürchten, dass die Zwangslage von geflüchteten Frauen vereinzelt ausgenutzt werde, um diese in die Prostitution zu drängen oder sie als unbezahlte Arbeitskräfte in Privathaushalten auszunutzen.

10:39 Uhr | Arbeitsagentur-Chef: Ukraine-Flüchtlinge vielfach hoch qualifiziert

Flüchtlinge aus der Ukraine sind nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, eine Bereicherung für den deutschen Arbeitsmarkt. "Das Qualifikationsniveau der ukrainischen Bevölkerung ist im internationalen Vergleich hoch", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Es sei davon auszugehen, dass etwa jeder zweite Geflüchtete über eine akademische Ausbildung verfügt, entweder wissenschaftlich ausgebildet ist oder einen Fachschulabschluss besitzt, der in etwa der dualen Ausbildung in Deutschland entspricht. "Bei der hohen Fachkräftenachfrage und dem großen Mangel an Arbeitskräften in Deutschland sind wir über jeden dankbar", sagte Scheele weiter.

In der vorigen Flüchtlingskrise von 2014/2015 sei das Hauptanliegen gewesen, Menschen rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diesmal möchte man die Menschen möglichst ausbildungsadäquat beraten und einstellen.

09:56 Uhr | Polen wirft Deutschland Behinderung weiterer Sanktionen vor

Polen wirft der Bundesregierung vor, maßgeblich härteren Sanktionen gegen Russland im Weg zu stehen. Deutschland sei der Haupthinderungsgrund für schärfere Maßnahmen, sagt der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki vor Journalisten. Für Ungarn gelte das nicht, das Land sei für Sanktionen. Morawiecki äußerte sich mit Blick auf den Wahlsieg des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban, dem mangelnde Härte gegenüber Russlands angesichts der Invasion in der Ukraine vorgeworfen worden war.

09:31 Uhr | Debatte um Energie-Embargo flammt wieder auf

Auch der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Nils Schmid, bezeichnete einen sofortigen Stopp als schwierig. Er plädierte bei MDR AKTUELL stattdessen dafür, die Waffenlieferungen an die Ukraine auszuweiten. Außerdem müssten Schlupflöcher bei bestehenden Sanktionen gegen Russland gefunden werden.

09:08 Uhr | Ukrainische Medien: Bislang 340 Leichen in Butscha geborgen

Nach dem Massaker in der Stadt Butscha bei Kiew sind ukrainischen Medienberichten zufolge deutlich mehr als 300 Leichen von Zivilisten geborgen worden. Bis Sonntagabend seien bereits 330 bis 340 leblose Körper eingesammelt worden, schrieb die Zeitung "Ukrajinska Prawda" am Montag unter Berufung auf einen Bestattungsdienst. Am Montag wurde die Suche nach weiteren Opfern fortgesetzt. Einige Leichen seien in Hinterhöfen vergraben, hieß es.

08:13 Uhr | Odessa meldet weiteren Raketenangriff

Russische Truppen haben die südukrainische Hafenstadt Odessa nach Angaben der Regionalverwaltung in der Nacht zum Montag erneut mit Raketen angegriffen. Dies teilte die Behörde auf Facebook mit. Einzelheiten sollten später bekannt gegeben werden. Auch der Bürgermeister der rund 130 Kilometer entfernten Stadt Mykolajiw, Olexander Senkewytsch, meldete mehrere Raketenangriffe. Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung.

Beide Regionen waren bereits am Wochenende mit Raketen angegriffen worden. Aus dem Verteidigungsministerium in Moskau hieß es dazu, von Schiffen und Flugzeugen aus seien eine Ölraffinerie und mehrere Treibstofflager in der Nähe Odessas beschossen worden.

07:46 Uhr | Zunehmend Anfeindungen gegen Russen und Ukrainer in Deutschland

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sehen sich offenbar auch in Deutschland immer mehr Menschen aus beiden Staaten Anfeindungen ausgesetzt. Seit Ende Februar verzeichneten die Behörden 308 antirussische Straftaten, darunter 15 Gewalttaten, wie Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte. Demnach wurden darüber hinaus 109 antiukrainische Straftaten registriert, davon 13 Gewalttaten. Die Bandbreite der Taten reiche von Sachbeschädigungen über Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zu Körperverletzungen, hieß es. Vergleichszahlen gebe es nicht, da diese Straftaten erst seit Kriegsbeginn erfasst würden.

Faeser sagte, dass die Polizei diese Fälle im Blick habe und jeden Menschen hierzulande gleichermaßen schütze. "Dieser Konflikt darf nicht in unsere Gesellschaft hineingetragen werden. Wir erinnern immer daran: Das ist Putins verbrecherischer Angriffskrieg." Es sei nicht der Krieg der Menschen mit russischen Wurzeln, die in Deutschland wohnen.

07:39 Uhr | Grammys: Videobotschaft von Selenskyj

Per Video-Botschaft bat der ukrainische Präsident am Sonntagabend um Unterstützung für sein Land. "Was könnte gegenteiliger zu Musik sein als Krieg?", sagte Selenskyj bei der fast vierstündigen Gala. Er träume davon, dass die Menschen in den umkämpften ukrainischen Städten wieder frei leben könnten – bevor US-Sänger John Legend gemeinsam mit ukrainischen Musikerinnen vor Abbildungen der Landesfahne einen der Ukraine gewidmeten Song sang.

07:00 Uhr | Russland fordert Sitzung des UNO-Sicherheitsrates

Russland will sich gegen Vorwürfe von Kriegsverbrechen wehren. Der Vize-UN-Botschafter Dmitri Poljanskij teilte auf Twitter mit, Moskau habe eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Die russische Armee hatte sich kürzlich aus der Region um die ukrainische Hauptstadt Kiew zurückgezogen. Im Vorort Butscha wurden anschließend nach Angaben der ukrainischen Behörden hunderte Leichen von Zivilisten gefunden. Die Bilder und Videos aus dem Ort sorgten international für Entsetzen.

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft kündigte Untersuchungen an. Russland warf der Ukraine vor, die Aufnahmen der Leichen inszeniert zu haben.

05:48 Uhr | Verkehrsverbindung zwischen Kiew und Tschernihiw wiederhergestellt

Der Transport von Hilfsgütern zwischen der nordukrainischen Stadt Tschernihiw und der Hauptstadt Kiew soll von diesem Montag an wieder möglich sein. Ab 10 Uhr werde die Route entlang der Autobahn in beide Richtungen wieder aufgenommen, schrieb Verwaltungschef Wjatscheslaw Tschaus in der Nacht zu Montag auf Telegram. Demnach gibt es eine Gewichtsbegrenzung von fünf Tonnen. Außerdem werde stellenweise mit Staus gerechnet.

05:27 Uhr | Tote und Verletzte in Charkiw

In der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw wurden nach ukrainischen Angaben 34 Menschen durch russischen Beschuss verletzt. Mindestens sieben Menschen seien getötet worden, schrieb die Staatsanwaltschaft der Region auf Telegram. Unter den Verletzten waren demnach drei Kinder. In der westukrainischen Stadt Ternopil soll es einen Luftangriff gegeben haben. Die nordukrainische Stadt Tschernihiw ist nach Angaben des dortigen Bürgermeisters inzwischen zu 70 Prozent zerstört.

Russland bestätigte derweil mehrere Luftangriffe auf Militäreinrichtungen und Treibstofflager in Regionen Kiew und Mykolajiw. Unweit von Kiew sei in Wassylkiw ein Kontrollzentrum der Luftwaffenbasis zerstört worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow.

04:06 Uhr | UN: 1.400 Todesfälle von Zivilisten in der Ukraine bestätigt

Die UN haben seit dem Einmarsch russischer Truppen den Tod von 1.417 Zivilisten in der Ukraine dokumentiert. Unter ihnen waren 121 Kinder und Jugendliche, wie das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf mitteilte. Demnach gab es außerdem verifizierte Informationen über 2.038 Verletzte, darunter 171 Kinder und Jugendliche. In die Zahlen gingen alle bis einschließlich Samstag dokumentierten Fälle ein.

1.504 der Opfer stammten den Angaben aus den Regionen Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine. Das Büro geht allerdings davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen erheblich höher sind: In einigen Orten, die schwer umkämpft sind, konnten demnach viele Berichte über zivile Opfer noch nicht bestätigt werden, darunter Mariupol und Irpin.

02:24 Uhr | Russische Truppen ziehen sich aus Region Sumy zurück

Russische Truppen sollen damit begonnen haben, sich aus der ostukrainischen Region Sumy zurückzuziehen. Es sei aber noch zu früh, um von einer Befreiung der Region zu sprechen, sagte der Chef der Gebietsverwaltung von Sumy, Dmytro Schywyzkyj, der Agentur Unian zufolge in der Nacht zu Montag in einer Videobotschaft.

In der vergangenen Woche war demnach eine größere Zahl russischer Truppen in der Region festgestellt worden, es habe viele Angriffe auch auf Zivilisten gegeben. Russische Militärfahrzeuge seien über einen Korridor von Kiew und Tschernihiw zurück Richtung Russland gebracht worden. Nun habe man dort viele zerstörte russische Panzer und andere militärische Ausrüstung gesehen.

01:11 Uhr | Knapp 2.700 Menschen aus Kriegsgebieten evakuiert

Knapp 2.700 Menschen sind nach ukrainischen Angaben am Sonntag aus besonders umkämpften ukrainischen Städten in Sicherheit gebracht worden. Von den 2.694 Menschen seien fast 1.500 aus der Region Luhansk gerettet worden, sagte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Sonntag nach Angaben der Zeitung "Ukrajinska Prawda". Sie warf der russischen Seite demnach vor, gegen die vereinbarte Feuerpause verstoßen zu haben.

Aus der umkämpften Hafenstadt Mariupol sowie aus Berdjansk seien am Sonntag knapp 500 Menschen mit eigenen Fahrzeugen nach Saporischschja geflohen. Wereschtschuks Angaben nach konnten auch sieben vom Roten Kreuz begleitete Busse aus Mariupol nach Mangusch fahren.

00:05 Uhr | Bürgermeister von Tschernihiw: Stadt zu 70 Prozent zerstört

Die nordukrainische Stadt Tschernihiw ist nach Angaben des dortigen Bürgermeisters inzwischen zu 70 Prozent zerstört. Die Folgen der russischen Angriffe seien schwerwiegend, wie in Butscha und Charkiw, und vielleicht sogar wie in Mariupol, sagte Wladyslaw Atroschenko am Sonntag nach Angaben der Zeitung "Ukrainska Prawda" im ukrainischen Fernsehen. Atroschenko mache sich Sorgen um die Heizperiode, es gebe Löcher im städtischen Haushalt, die Wirtschaft funktioniere nicht. Dies mache ihm nicht weniger Sorgen als die Luftangriffe.

Das Stadtbild Tschernihiws ist durch zahlreiche mittelalterliche Kirchen und Klöster geprägt. Die Ukraine strebte für das Zentrum den Status als Weltkulturerbe an. Vor dem Krieg zählte die Stadt mehr als 285.000 Einwohner.

00:00 Uhr | Ticker am Montag, 4. April 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. April 2022 | 06:00 Uhr

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