Ukraine-Krieg: Kriegsverbrechen in Bucha durch Russen gemeldet - „Ganze Familien getötet“


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  • Erstellt: 03.04.2022Aktualisiert: 03.04.2022, 12:05 Uhr

    Von: Tobias Utz, Lukas Zigo, Karolin Schäfer, Katja Thorwarth, Daniel Dillmann, Nail Akkoyun, Andreas Apetz

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    Im Ukraine-Krieg zieht sich die russische Armee um Kiew zurück. Derweil will die EU Untersuchung von Kriegsverbrechen unterstützen. Die Lage am Sonntag.

  • Im Ukraine-Krieg* gehen die Angaben über die Zahl der Verluste auf Seiten Russlands* auseinander.
  • Wie die Ukraine* mitteilt, zieht sich die Armee von Russlands Präsident Wladimir Putin* im Ukraine-Konflikt* aus der Region Kiew zurück.
  • Moskau* könnte sich Richtung Süden orientieren. Die gesamte Region Kiew* soll inzwischen zurückerobert worden sein.
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    +++ 11.50 Uhr: Die EU will nach Angaben von Ratspräsident Charles Michel die Untersuchung von „Gräueltaten“ der russischen Armee in Vororten von Kiew unterstützen. Michel zeigte sich am Sonntag im Onlinedienst Twitter „erschüttert“ über Bilder aus dem ukrainischen Ort Butscha und sprach von einem „Massaker“. Die EU werde bei der „Sammlung der notwendigen Beweise für die Verfolgung vor internationalen Gerichten“ helfen, kündigte er an. 

    +++ 11.40 Uhr: Mit der Rückeroberung der Region um die Hauptstadt Kiew hat sich der ukrainischen Armee nach wochenlangen Kämpfen ein Bild des Schreckens geboten. Butscha wurde durch die russischen Angriffe verwüstet. Wohnhäuser wurden durch Granatenbeschuss beschädigt und auf den Straßen waren zerstörte Autos zu sehen, wie AFP-Reporter berichteten. Sie sahen auf einer einzigen Straße in Butscha mindestens 20 Leichen liegen. Die Toten trugen zivile Kleidung.

    „Alle diese Menschen wurden erschossen“, sagte Bürgermeister Anatoly Fedoruk. Die Straßen der Kleinstadt seien mit Leichen übersät. Es stünden Autos auf den Straßen, in denen „ganze Familien getötet wurden: Kinder, Frauen, Großmütter, Männer“. Nach Angaben des Bürgermeisters mussten 280 Menschen in Butscha in Massengräbern beigesetzt werden, da die drei städtischen Friedhöfe noch in Reichweite des russischen Militärs lagen.

    Ukraine-Krieg aktuell: Polen will US-amerikanische Atomraketen stationieren

    +++ 11.00 Uhr: Ein polnischer Spitzenbeamter teilt der Presse mit, dass Polen bereit sei, US-Atomwaffen zu stationieren, um eine russische Aggression abzuschrecken. „Wenn die Amerikaner uns bitten würden, US-Atomwaffen in Polen zu lagern, wären wir offen dafür“, sagte Jaroslaw Kaczynski, stellvertretender Ministerpräsident und Vorsitzender der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit.

    +++ 10.05 Uhr: Die ukrainischen Streitkräfte melden, dass sich mehrere russische Kommandeure weigern würden, wegen niedriger Moral in der Truppe weiterzukämpfen. Das berichtet das Nachrichtenportal The Kyiv Independent. Demnach teilte das ukrainische Militär mit, es beziehe sich auf Russlands 3. motorisierte Division und die 20. kombinierte Waffenarmee.

    Ukraine-Krieg aktuell: Kriegsverbrechen in Butscha gemeldet - Explosionen in Odessa

    +++ 07.44 Uhr: Human Rights Watch berichtet von Beweisen für Kriegsverbrechen im ukrainischen Bucha. Demnach habe eine Frau in Bucha gesehen, wie russische Truppen fünf Männer zusammengetrieben und einen von ihnen in den Hinterkopf geschossen und ihn getötet hätten, berichtet das Wall Street Journal.

    Die Rechtegruppe sagte, sie habe eine Frau in Butscha interviewt, die gesehen habe, wie russische Truppen fünf Männer zusammengetrieben und einen von ihnen in den Hinterkopf geschossen und ihn getötet hätten, berichtet das Wall Street Journal.

    Ein zerstörtes Auto auf einer Landstraße bei Bucha. 300 Zivilisten wurden hier durch die russische Armee getötet. © Mykhaylo Palinchak/dpa

    Update vom Sonntag, 03.04.2022, 07.00 Uhr: Aus der strategisch wichtigen ukrainischen Küstenstadt Odessa sind am Sonntag mehrere Explosionen gemeldet worden. Die Detonationen in der Stadt am Schwarzen Meer im Südwesten des Landes waren am frühen Morgen zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete. Zudem waren mindestens drei schwarze Rauchsäulen und Flammen vermutlich über einem Industriegebiet zu sehen. Die Metropole ist der größte Hafen der Ukraine und zentral für die Wirtschaft des gesamten Landes. 

    Ukraine-Krieg aktuell: „Gesamte Region Kiew“ zurückerobert â€" Russland ändert Angriffsplan

    +++ 22.25 Uhr: Ukrainischen Behörden zufolge sollen die Streitkräfte die gesamte Region um Kiew zurückerobert haben (s. Update, 02.04.2022, 20.05 Uhr). In den vergangenen Wochen hatte es in der Hauptstadt und in umliegenden Regionen heftige Kämpfe gegeben. Als Geste des guten Willens bei den Friedensverhandlungen habe Russland seinen Truppenabzug begründet, berichtete BBC. Viele Ukrainer:innen kehren wieder in ihre Heimat zurück. In Kiew und den westlichen Staaten stieß der russische Rückzug allerdings auf Skepsis.

    In Irpin, etwa 27 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, sind nach ukrainischen Behörden seit der russischen Invasion mindestens 200 Zivilistinnen und Zivilisten getötet worden. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt konnten jedoch flüchten.

    In Bucha soll es im Ukraine-Krieg zu Kriegsverbrechen durch die russische Armee gekommen sein. © Mykhaylo Palinchak/dpa Ukraine-Krieg: Butscha von Leichen übersät

    In Butscha sind die russischen Truppen erst vor wenigen Tagen abgezogen worden. Fast einen Monat lang wurde die Stadt nordwestlich von Kiew eingekesselt. 280 Menschen mussten hier in einem Massengrab beerdigt werden, teilte der Bürgermeister mit. Die Stadt sei übersät von Leichen (s. Update, 02.04.2022, 19.20 Uhr).

    Doch die Hoffnung auf etwas Entspannung in der Ukraine wird von Kampfhandlungen im Süden und Osten des Landes überschattet. Der ukrainische Präsidentenberater Oleksiy Arestovych erwartet laut CNN vor allem um Mariupol schwere Kämpfe. Arestovych warnte davor, dass die militärischen Anstrengungen in diesen Regionen „nicht einfach sein werden“. Dennoch schien er zuversichtlich: „Ich denke, wir werden Mariupol, die Ostukraine und den Süden zurückerobern.“

    Krieg in der Ukraine: Zahl der Todesopfer in Mykolajiw steigt

    +++ 21 Uhr: Bei einem russischen Raketenangriff in der südwestlichen ukrainischen Region Mykolajiw auf die regionale Staatsverwaltung wurden am Dienstag (29.03.2022) mehrere Menschen getötet. Die Zahl der Opfer sei nun auf 36 gestiegen, teilte der Militärgouverneur Vitaliy Kim am Samstag bei Telegram mit. Unter den Toten befände sich auch seine Sekretärin.

    Bei dem russischen Angriff wurde der mittlere Teil des neunstöckigen Gebäudes zerstört. Wie das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Independent berichtete, befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Mitarbeitende in dem Bürogebäude.

    Ukraine News: „Gesamte Region Kiew“ zurückerobert

    +++ 20.05 Uhr: Nach ukrainischen Angaben sollen die Streitkräfte in der Ukraine die gesamte Region Kiew zurückerobert haben. „Die gesamte Region Kiew ist von den Angreifern befreit“, schrieb Hanna Malyar, stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin, beim Kurznachrichtendienst Twitter am Samstagabend.

    Bislang konnte ihre Behauptung noch nicht unabhängig geprüft werden. Allerdings haben sich die russischen Truppen in den vergangenen Tagen aus der Region Kiew zurückgezogen. Ukrainerinnen und Ukrainer sowie der Westen gehen davon aus, dass Russland sich jetzt vor allem auf die östlichen Regionen konzentriere.

    Ukraine-Krieg: Russland ändert Strategie â€" Fast 300 Menschen in Massengräbern beerdigt

    +++ 19.20 Uhr: Fast 300 Menschen sind nach dem Rückzug der russischen Truppen aus Butscha in der Region Kiew in Massengräbern beerdigt worden. Die Straßen der durch die Kämpfe stark zerstörten Kleinstadt seien mit Leichen übersät, sagte Bürgermeister Anatoly Fedoruk am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Da die drei städtischen Friedhöfe in Reichweite des russischen Militärs liegen, mussten Fedoruk zufolge 280 Menschen in Massengräbern beigesetzt werden. In Kiew wurde auch ein ukrainischer Fotojournalist getötet.

    +++ 18.35 Uhr: In und um Kiew wird es ruhiger. Russland zieht seine Truppen ab und positioniert diese neu. Stattdessen soll vor allem in der Ostukraine die militärische Präsenz erhöht werden. Die sich zurückziehenden russischen Streitkräfte schaffen eine „katastrophale“ Situation für die zivile Bevölkerung, warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj laut Angaben der arabischen Nachrichtenagentur Al Jazeera.

    Das russische Militär würde dem Staatschef zufolge Minen in der Nähe von Häusern, verlassene Ausrüstung und „sogar die Leichen der Getöteten“ zurücklassen. Eine Pause von dem mehr als fünf Wochen andauernden Krieg zwischen Russland und der Ukraine scheint es nicht zu geben. „Selbst in den Gebieten, die wir nach den Kämpfen zurückerobern, ist es noch nicht möglich, zum normalen Leben zurückzukehren, wie es früher einmal war“, stellte der Präsident ernüchternd in einer Videobotschaft fest.

    Die zurückgelassenen Leichen bestätigte auch der Bürgermeister von Butscha, etwa 25 Kilometer nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt. „Er sagte, dass er, als er selbst in die Stadt ging, 22 Leichen auf den Straßen liegen sah“, gab Imran Khan, Korrespondent von Al Jazeera in Butscha, wieder.

    Update vom Samstag, 02.04.2022, 09.50 Uhr: Die Widerstände der ukrainischen Armee gegen die russische Invasion zeigen Wirkung. Die Rückgewinnung einiger Gebiete in Nähe der Hauptstadt Kiew (s. Update, 01.04.2022, 18.45 Uhr) scheint Geflüchtete ermutigt zu haben in ihre Heimat zurückzukehren. Wie der britische Nachrichtendienst BBC berichtet, seien rund 421.000 geflüchtete Menschen über Polen in die Ukraine zurückgekehrt.

    Alleine am Freitag (01.04.2022) hätten 15.000 Menschen die polnische Grenze in Richtung Heimat überquert. Insgesamt 2.437.000 Menschen seien seit Kriegsbeginn aus der Ukraine nach Polen geflohen, teilte der polnische Grenzschutz am Samstag (02.04.2022) mit. Die Zahl der ukrainischen Geflüchteten beläuft sich laut Schätzungen der UN auf 10 Millionen.

    +++ 11.15 Uhr: Russlands Streitkräfte ziehen sich wohl aus der Region um die ukrainische Hauptstadt Kiew zurück. Das berichtet der zuständige Gouverneur. Die Truppen seien auf dem Weg nach Belarus, so Olexandr Pawljuk in einem Statement bei Telegram. Das entspricht der Einschätzung der Nato vom Donnerstag. Nato-Chef Stoltenberg erklärte, dass man erwarte, dass Russland sich in Belarus neu formiere, um schwere Verluste zu kompensieren.

    +++ 11.00 Uhr: Offenbar befinden sich weiterhin Soldaten der russische Armee am stillgelegten Atomkraftwerk Tschernobyl. Am Donnerstag gab es vermehrt Berichte, dass die Truppen den Ort verlassen würden. Zudem wurde bekannt, dass wohl zahlreiche Streitkräfte verstrahlt wurden.

    Ukraine-Krieg: Russland kündigt Feuerpause in Mariupol an

    Update vom Freitag, 01.04.2022, 08.00 Uhr: Auf Ersuchen von Frankreich und Deutschland hat Russland für Freitagmorgen eine Feuerpause in der umkämpften Hafenstadt Mariupol angekündigt. Ein humanitärer Fluchtkorridor soll ab 9 Uhr MESZ zur Evakuierung von Zivilistinnen und Zivilisten nach Saporischschja geschaffen werden.

    Nach ukrainischen Angaben seien Konvois am Donnerstag (31.03.2022) auf mehrere Probleme gestoßen. Wie CNN berichtete, sollen russische Truppen 14 Tonnen Hilfsgüter, darunter Lebensmittel und Medikamente, beschlagnahmt und 45 Busse blockiert haben. Um eine Rettung der Menschen aus Mariupol zu ermöglichen, seien die Fluchtkorridor „unzureichend“, hieß es am Donnerstag vonseiten Frankreichs.

    Ukraine-Krieg: Russische Streitkräfte räumen Tschernobyl â€" und nehmen Geiseln mit

    Erstmeldung vom 01.04.2022, 03.30 Uhr: Nach wochenlanger Besetzung haben die russischen Streitkräfte die Atomruine Tschernobyl verlassen, dabei nach ukrainischen Angaben aber Geiseln mitgenommen. „Es sind keine Außenstehenden mehr auf dem Gebiet des Atomkraftwerks Tschernobyl“, teilte die für das Sperrgebiet im Norden der Ukraine zuständige ukrainische Behörde am Donnerstagabend auf Facebook mit. Später hieß es, die Russen hätten ukrainische Soldaten mitgenommen, die sie seit Kriegsbeginn als Geiseln gefangen hielten.

    „Als sie von der Atomanlage Tschernobyl wegrannten, nahmen die russischen Besatzer Mitglieder der Nationalgarde mit, die sie seit dem 24. Februar als Geiseln gefangen gehalten hatten“, teilte die ukrainische Atombehörde Energoatum im Messengerdienst Telegram unter Berufung auf Arbeiter in der Anlage mit. Um wie viele ukrainische Soldaten es sich handelte, war unklar.

    Zuvor hatte die für das Sperrgebiet zuständige Behörde den Abzug der russischen Armee verkündet. Die Soldaten hätten „Ausrüstung und andere Wertgegenstände“ aus der stillgelegten Atomanlage gestohlen. Ukrainische Spezialisten würden nun auf das Gelände geschickt, um es auf „potenzielle Sprengkörper“ hin zu durchkämmen. (ktho/dil/lz/nak/tu mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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