Wegen Ukraine-Krieg Russland tritt aus dem Europarat aus


Stand: 16.03.2022 09:06 Uhr

Russland ist seinem Ausschluss aus dem Europarat zuvorgekommen und hat seinen Austritt erklärt. In der Organisation wird nun diskutiert, ob der Schnitt nicht schon viel früher hätte erfolgen müssen.

Von Matthias Reiche, ARD-Studio Brüssel

Wie ein Sprecher des Europarats in Straßburg mitteilte, sei am späten Abend im Generalsekretariat die formelle Mitteilung über den Austritt eingegangen. Zuvor hatte am Dienstagabend die Parlamentarische Versammlung des Europarats für den  Ausschluss Russlands gestimmt, weil, so die spanische Abgeordnete Maria Martínez Ferro, es in diesem Hause keinen Platz geben könne für einen solchen Aggressor:

Matthias Reiche ARD-Studio Brüssel

Der Europarat, der nicht zur EU gehört, wacht über die Einhaltung der Menschenrechte in seinen derzeit noch 47 Mitgliedstaaten. Russland gehört seit 1996 dazu, und trotz zunehmender Spannungen wollte man das Land lange Zeit unbedingt im Europarat halten. Ein Fehler, meint Christopher Chope. Er sitzt für die britischen Konservativen im Europarat und im Parlament des Vereinigten Königreichs:

Das ist nicht nur ein Krieg gegen die Ukraine. Das ist Putins Krieg gegen die NATO, gegen die Europäische Union, gegen den Europarat und gegen die gesamte zivilisierte Welt. Und wir hier im Europarat haben unsere eigenen Prinzipien in Gefahr gebracht. Wir haben erlaubt, dass Diktatoren Wahlen fälschen, die Einschränkung von Freiheiten als Schutz von Menschenrechten darstellen. Und wir haben erlaubt, dass sich ein Massenmörder als Verteidiger des Rechtsstaats maskiert.

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Ruf nach Schutz des Luftraums

Die ukrainischen Vertreter im Europarat wie Yevheniia Kravchuk beklagen dies schon länger. Und es sei gut, dass es nun Sanktionen gegen Russland gebe sowie humanitäre und militärische Hilfe für die Ukraine. Aber, so fragt sie:  

Glauben Sie, das ist genug, um diesen Krieg zu beenden? Bomben und Raketen werden geschickt, um Menschen zu töten. Deshalb appelliere ich an Sie, als Europaratsmitglieder und vor allem als Abgeordnete ihrer nationalen Parlamente, dass Sie auf ihre Regierungen einwirken, unseren Luftraum zu schützen. Jeden Tag erhalte ich eine schreckliche Statistik: die Zahl der getöteten Kinder - und ich frage Sie hier: Sind diese ukrainischen Kinder anders als Kinder, die in Berlin leben, in Paris, in Istanbul?"       

Der Blick auf die Folgen

Russland stelle Europa vor eine Herausforderung, wie es sie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht gegeben habe. Man dürfe nicht tatenlos zusehen, aber es könne auch nicht darum gehen, einen Dritten Weltkrieg zu entfachen, mahnte nicht nur Axel Schäfer, der als SPD-Bundestagsabgeordneter in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats sitzt:

Der Überfall Putins auf die Ukraine am 24.Februar, für den gibt es in der jüngeren Geschichte nur einen Vergleich: Und das ist Hitlers Überfall auf Polen am 1. September 1939. Lasst uns deshalb jetzt alles tun, damit sich heute aus dem Krieg gegen die Ukraine kein Krieg entwickelt, der über die ganze Welt verteilt ist.

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Dem Ausschluss ist Russland nun zuvorgekommen und kündigt damit auch die Bindung an die Europäischen Menschenrechtskonvention auf, womit das Land auch nicht mehr der Gerichtsbarkeit des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte unterliegt.

In der Geschichte des Europarats gab es nur einmal einen ähnlichen Vorgang, als sich 1969 die griechische Militärdiktatur zurückzog, um dem Ausschluss zu entgehen. 1974 wurde Griechenland dann wieder aufgenommen.

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Matthias Reiche, ARD Brüssel, 16.3.2022 · 08:38 Uhr

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