Ukraine-Krieg: US-Militärexperte - „Das russische Militär ist für diesen Krieg nicht gemacht“


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  • Erstellt: 14.03.2022, 10:32 Uhr

    Von: Kathrin Reikowski

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    Autos fahren an einem zerstörten russischen Panzer in der Nähe von Irpin am Stadtrand von Kiew vorbei. © Vadim Ghirda/AP/dpa

    Dass Russland im Ukraine-Krieg keine schnellen Erfolge verbuchen kann, hat laut einem US-Militärexperten vier Gründe. Westliche Beobachter hätten sich vorab verschätzt.

    Washington D.C./USA - „Wir haben das russische Militär genauso stark überschätzt, wie wir das ukrainische Militär unterschätzt haben“, sagt der US-Militärexperte Michael Kofman, der für ein Forschungs- und Entwicklungszentrum der US Navy schon seit Jahren das Militär Russlands beobachtet. Besonders zu Beginn des eskalierten Ukraine-Konflikts sei vieles sehr schwer einzuschätzen gewesen, schrieb Kofman am Sonntag auf Twitter. Doch inzwischen macht er vier Felder aus, die die Schwäche von Putins Armee in der Ukraine zeigten.

    Kofman gibt für seine Analyse zweierlei zu bedenken: Erstens liege für Beobachters vieles immer noch „im Nebel des Kriegs“ verborgen, und zweitens beherrsche die Ukraine den Informationskrieg sehr gut.

    Ukraine-Krieg: Was Putin und Russland vor dem Konflikt an der Ukraine unterschätzt hatten

    Warum wurde das russische Militär vor dem Konflikt vom Westen überschätzt? Kofman schreibt dazu:

  • 1. Der Krieg in der Ukraine bringt Besonderheiten
  • Jeder Militäreinsatz ist speziell. So wie man die Stärke der US-Armee nicht anhand des Afghanistaneinsatzes bemessen könnte, könne man auch das russische Militär als Ganzes nicht anhand des Ukraine-Konflikts beurteilen. „Streitkräfte marschieren nie sauber vom Papier auf ein Schlachtfeld“, schreibt Kofman. Dass die vermutlich 150.000 russischen Soldaten in der Übermacht seien, sagt noch nichts über Sieg oder Niederlage aus.
  • 2. Der Kriegseinsatz in der Ukraine ist neu für das Militär Russlands
  • Russland „hat noch nichts in dieser Größenordnung ausprobiert, gegen ein Land von der Fläche der Ukraine und mit einem vergleichbaren Militär“. Limitierte Einsätze, wie etwa der Kampf der russischen Armee in Syrien, könnten kein genaues Bild für Beobachter liefern.
  • Ukraine-Krieg: Warum die USA und andere die russische Armee massiv überschätzten

    Zwei weitere Gründe macht der Militärexperte dafür aus, dass Putins Armee überschätzt worden sei:

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  • 3. Das russische Militär ist für diesen Krieg nicht gemacht
  • Die russische Armee müsse in der Ukraine „entlang mehrerer Achsen kämpfen“ und habe logistische Probleme, diagnostiziert Kofman. Personal, Bereitschaft und Logistik des russischen Militärs seien nicht für Bodenoffensiven gemacht oder dafür, große Geländeabschnitte zu halten. Daraus folgert er: „Das russische Militär ist für diesen Krieg nicht gemacht.“ Erst jetzt versuche Putin, seine Armee allmählich anzupassen.
  • 4. Der Widerstand der Ukraine wurde unterschätzt
  • „Die Ukraine nutzt die städtischen Kampfzonen sehr clever“, schreibt Kofman. „Sie arbeiten mit Hinterhalten und kleinen Einheiten und zwingen den Russen einen Kampf auf, in dem zahlenmäßige Überlegenheit keinen Vorteil bringt.“ Was hinter diesem Szenario steckt, haben auch andere Experten bereits erklärt: Droht Putin ein Partisanenkrieg?
  • „Dieser Krieg wird das russische Militär um Jahre zurückwerfen und seinen Ruf stark beschädigen“, schreibt Kofman am Ende seiner Ausführungen auf Twitter. Was die USA und andere Länder daraus für die Zukunft folgern sollten, sei schwer zu sagen. Denn man dürfe das Militär künftig auch nicht unterschätzen. „Kein Extrem ist hilfreich“, mahnt er am Ende. Greift Russland Hochhäuser in Kiew aus der Luft an? Alle aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg lesen Sie in unserem News-Ticker.

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