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Der Angriff von Wladimir Putins Truppen auf die Ukraine konzentriert sich vor allem auf den Osten und Südosten. Doch nun schickte der Kreml-Chef auch Raketen in den Westen des Landes.
München - Seit fast drei Wochen wird in der Ukraine gebombt, gekämpft, getötet. Die Angriffe der von Wladimir Putin geschickten Invasoren konzentrierten sich bislang fast ausschlieÃlich auf den Osten und Südosten des Landes sowie die Region rund um die Hauptstadt Kiew. Der Westen des flächenmäÃig gröÃten komplett in Europa liegenden Staates blieb dagegen weitgehend verschont.
Das änderte sich jedoch am dritten Wochenende dieses Kriegs. Denn da lieà der Kreml-Chef Raketen auf einen Truppenübungsplatz nahe Lwiw niedergehen. Dieser liegt nur 15 Kilometer entfernt von der polnischen Grenze - und damit von Nato-Gebiet.
Putin und der Ukraine-Krieg: Bombardierung nahe Lwiw als Zeichen der StärkeNach ukrainischen Angaben verloren durch den Angriff 35 Menschen ihr Leben, 134 wurden verletzt. Doch was bezweckt der 69-Jährige mit dieser Bombardierung einer zuvor noch unversehrten Region?
MutmaÃlich will Putin damit einmal mehr Stärke demonstrieren. Und zeigen, dass er den Westen keineswegs fürchtet, ja womöglich nicht einmal wirklich als Gemeinschaft respektiert.
Jeder Beobachter, wie sicher auch der Machthaber in Moskau selbst, ist überrascht davon, wie langsam und mühselig der Feldzug in der Ukraine voranschreitet. Mit jedem Tag, an dem die russischen Truppen zurückgehalten werden, steigt natürlich die Moral auf Seiten der Verteidiger. Und die Zuversicht, die Invasoren letztlich doch wieder aus dem eigenen Land vertreiben zu können.
Der Krieg rückt näher: Auch in Lwiw werden die Forderungen nach einer Flugverbotszone lauter. © IMAGO / ZUMA Wire Putin bombardiert die Ukraine: Russland will â180 ausländische Söldnerâ getötet habenHinzu kommt: Die Ukrainer bekommen längst nicht nur technische Unterstützung aus dem Westen, immer mehr Freiwillige aus Europa aber auch Ãbersee sollen sich ihrem Kampf angeschlossen haben.
Auch sie dürften das Ziel von Putins Attacke gewesen sein. Um weitere Kampfwillige abzuschrecken. Das russische Verteidigungsministerium erklärte in einer Meldung der Nachrichtenagentur Tass, auf dem Militärgelände nahe Lwiw seien âbis zu 180 ausländische Söldnerâ getötet worden. Zudem sei eine groÃe Menge aus dem Ausland gelieferter Waffen unschädlich gemacht worden.
Putins Bomben auf Lwiw: Russland hat es auf âausländische Söldnerâ abgesehenFür Putin geht es in seiner Verzweiflung jetzt umso mehr darum, den Nachschub für die Ukraine aus dem Westen abzuschneiden. Ein Sprecher warnte jedenfalls: âDie Vernichtung der auf das Territorium der Ukraine eingereisten ausländischen Söldner wird fortgesetzt.â
Die Wortwahl kommt dabei nicht von ungefähr, suggeriert sie doch, dass die ausländischen Kämpfer auf Seiten der Ukraine gegen Bezahlung angelockt wurden. Und sich nicht allein zum Zweck eines höheren Guts der Verteidigung des Landes verschrieben haben: der Freiheit und der Unabhängigkeit eines Millionenvolkes.
Was geht nur in diesem Kopf vor? Wladimir Putin scheint in seinem Krieg in der Ukraine keine Skrupel zu kennen. © MIKHAIL KLIMENTYEV/afp Putin und sein Krieg in der Ukraine: Für eigene Schadensbegrenzung nimmt er Zerstörung in KaufIn gewisser Weise spricht aus Putins Bombardierung im Westen der Ukraine auch die Verzweiflung. Weil ihm der Plan, die gesamte Landfläche unter seine Kontrolle und damit letztlich seinen Einfluss zu bringen, mehr und mehr aus den Händen zu gleiten scheint.
Es geht für den Kreml-Chef quasi schon um seine Schadensbegrenzung. Dafür nimmt er jede zusätzliche Zerstörung in Kauf. Denn die Hoffnung, in der Ukraine als Befreier angesehen zu werden, sollte auch in seinem Kopf längst gestorben sein. Mehr als die Rolle des Anführers einer Besatzungsmacht ist für Putin längst nicht mehr drin.
Auch deshalb kennt er längst keine Skrupel mehr. Unterschiede zwischen kämpfenden Gegnern, wehrlosen Zivilisten oder Flüchtlingen macht Russlands Präsident längst nicht, die Bombardierungen auch von Kliniken oder anderen öffentlichen Einrichtungen wirken alles andere als wahllos.
Putin lässt Bomben nahe Lwiw niedergehen: Provokation gegen den Westen und die Nato?In Lwiw, das also urplötzlich auch ins Visier geriet, sammeln sich seit Tagen unzählige Flüchtlinge, die die Ukraine in Richtung Westen verlassen wollen. Nur weg von den Raketen, den Panzern, den Schusswechseln, dem völlig chaotischen Vormarsch von Putins Truppen.
Doch sie sollen sich auf keinen Fall sicher fühlen - auch diese Botschaft dürfte hinter diesen Raketen gesteckt haben. Oder war es am Ende die pure Provokation? Die USA jedenfalls sprangen direkt darauf an und erinnerten an die Möglichkeit eines Bündnisfalles. âEin bewaffneter Angriff gegen einen wird wie ein bewaffneter Angriff auf alle bewertetâ, bemühte ein Sprecher des Pentagon im TV-Sender ABC mit Blick auf Polen den Artikel 5 im Nato-Vertrag.
Ein Satz, der womöglich Politiker im Westen mehr aufschreckt als den Aggressor im Kreml. (mg)
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