Ukraine-Krieg Chinas Tech-Firmen gewinnen in Russland hinzu – und fühlen sich trotzdem als Verlierer


Weil sich US-Konkurrenten zurückziehen, können nun chinesische Tech-Unternehmen in Russland den Markt übernehmen. Aber was bringt das eigentlich? Von Euphorie ist bei den Firmen nichts zu spüren.

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  • Chinesische Tech-Firmen gewinnen dieser Tage in Russland kräftig Marktanteile. Da sich US-Firmen wie Apple, Dell oder HP dazu entschieden haben, ihr Geschäft in Russland wegen der Invasion der Ukraine komplett oder in Teilen einzustellen, bleibt nun mehr für die chinesische Konkurrenz. So scheint es zumindest auf den ersten Blick. 

    Der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi, schon jetzt auf dem zweiten Platz der russischen Verkaufscharts, dürfte davon profitieren, dass sich Apple, bisher Nummer drei in Russland, zurückzieht. Russische Smartphone-Käufer werden künftig vor allem auf Geräte von Marktführer Samsung aus Südkorea oder eben Xiaomi zurückgreifen müssen. Nachdem vergangenes Jahr HP das Geschäft mit Computern in Russland anführte, dürfte nun der chinesische Konzern Lenovo die Führung übernehmen, der zuletzt auf dem zweiten Platz lag. 

    Russland verbindet den Westen und den Osten nicht nur geografisch. Es war in den letzten Jahren auch stets ein Land, in dem chinesische Firmen erfolgreich mit westlichen Unternehmen konkurrierten. Doch der abrupte Rückzug der Marken aus Europa und den USA versetzt Firmen aus der Volksrepublik dennoch nicht in Feierstimmung. „Russlands gesamte Volkswirtschaft ist kleiner als die so mancher chinesischen Provinz. Außerdem stürzt die Wirtschaft dort gerade ab. Die Menschen werden insgesamt weniger kaufen. Ich sehe da keinen Gewinn für uns“, sagt die Mitarbeiterin einer großen Tech-Firma im südchinesischen Shenzhen.

    Eine Einschätzung, die von vielen Beobachtern geteilt wird. „Für die meisten chinesischen Unternehmen ist Russland nur ein kleiner Markt, der es nicht das Risiko wert ist, von entwickelten Märkten abgeschnitten oder selbst sanktioniert zu werden“, heißt es in einer Einschätzung des Analystenhauses Gavekal Dragonomics. Die Sorgen vor Pekings Verbindung zu Moskau und den daraus resultierenden Risiken für Chinas Tech-Konzerne zeigen sich auch an der Börse. Am Dienstag verlor der Hang Seng Tech Index an der Hongkonger Börse um 7,2 Prozent, zuvor war er bereits um 11,2 Prozent eingebrochen â€" der größte Rückgang seit der Auflegung des Index im Juli 2020. Die Tech-Giganten Alibaba und Tencent performten an der Börse mit am schlechtesten.

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    Denn sowohl Anleger als auch chinesische Firmen wissen genau, was ihnen blühen könnte, wenn sie sich nun als Retter der russischen Wirtschaft inszenieren würden. Der chinesische Tech-Konzern Huawei hat schließlich zu spüren bekommen, wozu Washington in der Lage ist, wenn es ein Unternehmen erstmal ins Visier genommen hat. Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou saß über Jahre in kanadischem Hausarrest, weil die USA sie beschuldigt hatte, in die Umgehung von Iran-Sanktionen verwickelt gewesen zu sein. Huawei selbst wurde wegen unterstellter Spionagevorwürfe von Washington auf eine schwarze Liste gesetzt und so sehr verkrüppelt, dass es nun kaum noch Smartphones produzieren kann. 

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    Washington macht dieser Tage deutlich, dass es nicht zögern würde, chinesische Firmen erneut hart zu bestrafen. Unternehmen, die sich den US-Beschränkungen nach Russland widersetzen, könnten von amerikanischer Ausrüstung und Software abgeschnitten werden, die sie zur Herstellung ihrer Produkte benötigen, warnte US-Handelsministerin Gina Raimondo vergangene Woche. Die USA könnten alle chinesischen Unternehmen, die sich den US-Sanktionen widersetzen, hart bestrafen, wenn sie weiterhin Chips und andere fortschrittliche Technologien nach Russland liefern würden, sagte Raimondo in einem Interview mit der New York Times. 

    Die US-Regierung droht, Unternehmen ähnlich wie zuvor Huawei auf eine schwarze Liste zu setzen, sollten sie versuchen, die  Exportbeschränkungen gegen Russland zu umgehen. Raimondo ging sogar soweit, mit dem chinesischen Chip-Hersteller SMIC schon einen Namen ins Spiel zu bringen. Wenn man feststellen würde, dass ein Unternehmen wie SMIC seine Chips nach Russland verkaufe, „könnten wir SMIC im Wesentlichen schließen, weil wir es daran hindern würden, unsere Ausrüstung und unsere Software zu verwenden“, wurde Raimondo zitiert.

    Viele Risiken, kaum Chancen

    Der Krieg in der Ukraine dürfte chinesische Tech-Firmen kaum Chancen bieten, dafür aber ähnlich wie westlichen Unternehmen vor allem Ärger bereiten. Schwächt sich die Weltkonjunktur wegen der Krise tatsächlich wie erwartet erheblich ab, wird das auch an der ohnehin schon angeschlagenen chinesischen Wirtschaft nicht vorbeigehen. Schwächelt der Konsum auf dem Heimatmarkt, ist das für chinesische Firmen ein viel größeres Problem, als ein paar gewonnene Marktanteile auf einem Sekundärmarkt wie Russland. 

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    Auch die chinesische Staatszeitung Global Times scheint diese einfachen volkswirtschaftlichen Zusammenhänge mittlerweile verstanden zu haben. Ein Artikel, der zunächst mögliche Chancen für chinesische Smartphone-Firmen und Autohersteller in Russland beschrieb, wurde von der Website des regierungstreuen Blattes mittlerweile wieder gelöscht.

    Lesen Sie auch: Die Weltwirtschaft sollte sich noch deutlich unabhängiger von China machen. Denn: Sollen die Sanktionen gegen Russland Wirkung zeigen, muss auch China empfindlich getroffen werden.

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