Krieg in Ukraine Russen in Sachsen haben Angst


Die russischstämmige Inhaberin eines Lebensmittelladens in Leipzig, in dem sie Waren aus Russland, der Ukraine, Georgien oder Lettland anbietet, hat Angst. Vor zwei Tagen hatten Unbekannte ein antirussisches-Plakat an ihre Ladentür geklebt. Seitdem geht es ihr schlecht: "Ich fühle mich nicht gut. Ich habe nicht geschlafen. Viele Leute haben Angst."

Eine Stammkundin will ihr Mut machen und hat ihr an diesem Tag einen bunten Strauß Tulpen mitgebracht. Sie sagt: "Deswegen bin ich zu Besuch gekommen, um zu fragen, wie es ihr geht."

Ärzte weisen russische Patienten ab

Sie selbst kommt auch aus Russland und hätte einen solchen Mut-Mach-Blumenstrauß auch nötig, denn die verstörenden, angstmachenden, antirussischen Erlebnisse häufen sich. Sie erzählt: "Ich habe Zettel gesehen, wo Ärzte schreiben: Liebe russischsprachige und weißrussischsprachige Patienten, sparen sie sich die Zeit, melden sie sich nicht an, wenden sie sich an Putin. Ich finde, das ist nicht machbar."

Eine andere russische Frau, die seit Jahren in Leipzig ehrenamtlich aktiv ist, und aktuell als Dolmetscherin für geflüchtete ukrainische Menschen arbeitet, fasst die Situation in Leipzig so zusammen: "Alles, was mit Russisch in Verbindung gebracht wird, wird heftig kritisiert. Diejenigen, die russische Geschäfte haben oder russische Namen, bekommen Anfeindungen, Hetze."

Russische Mitbürger als Zielscheibe für Hass und Gewalt

Die Dolmetscherin hat Nachrichten per WhatsApp erhalten, die ihr Angst machen: "Da gibt es solche Sätze wie: Deine Kinder werden auch so getötet werden wie unsere." Weiter erzählt sie, sie habe Sprachnachrichten von ukrainischen Freunden zur Information zugeschickt bekommen, in denen dazu aufgerufen wird, russische Geschäfte anzugreifen.

Das klang dann so: "Ihr müsst sie gezielt angreifen. Warum? Wenn Du die Zielscheibe siehst, musst Du die zehn treffen. Das wird alle Russen hier schmerzhaft treffen."

Aus Provokation wird antirussische Hetze

Die Quelle dieser Nachrichten ist nicht bekannt - auch nicht, ob dies tatsächlich Belege für eine antirussische Hetze sind. Die Frau aus Russland sagt: "Mein erster Gedanke war auch, ist das Provokation? Aber die Provokation hat das Ziel erreicht. Egal, wer das geschickt hat: Die Inhaber von Geschäften haben Angst."

Auch Schulkinder haben Angst. Russische Kinder werden angegriffen, gemobbt, bespuckt und getreten. Eine Elterninitiative hat deshalb einen offenen Brief an die Stadt Leipzig geschrieben, mit der Bitte, gegen solche Vorkommnisse vorzugehen.

Russen in Leipzig: "Wir wünschen uns Frieden!"

Ganz klar ist die Position der von MDR SACHSEN gefragten Frauen was den Krieg betrifft: "Der Krieg ist Scheiße", sagt eine russische Frau direkt ins Mikrofon. Sie wünschen sich nichts sehnlicher als Frieden - und eine differenziertere Sichtweise: "Ich wünsche mir, dass das alles schnell beendet wird und dass die Leute nicht nach ihren Nationen getrennt werden."

Der Krieg ist scheiße.

Zitat einer Russin in Leipzig Leipziger Oberbürgermeister will Menschen einen

Die befragten russischen Gesprächspartnerinnen sind dankbar für die Worte des Leipziger Oberbürgermeisters, Burkhard Jung, der sich gegen die Russen-Hetze aussprach. Er sagte: "Wir wollen in unserer Stadt allen, jeglicher Herkunft, Zuflucht bieten. Lassen sie uns diesen sozialen Frieden, das Miteinander in unser Stadt pflegen, von Ukrainern, von Russen, von Menschen jeglicher Herkunft."

Man muss jetzt das Ganze stoppen, sonst wird auch bei uns Krieg in Leipzig sein.

Die Befürchtung einer russisch-sprachigen Frau in Leipzig.

Post a Comment

0 Comments

Abkehr von Putins Blockade-Taktik? : Ukraine meldet russische Angriffe auf Asow-Stahlwerk in Mariupol