In seiner Videoansprache im Bundestag hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eindringlich um Hilfe gebeten. Er betonte die Bedrohung durch den Krieg für ganz Europa.
Am Donnerstagmorgen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj per Videoschalte vor dem Deutschen Bundestag gesprochen. Selenskyj beschrieb die dramatische Lage in seinem Land und forderte Unterstützung von Deutschland und Europa.
Selenskyj wandte sich in seiner Rede an den Bundestag, aber auch an die deutsche Bevölkerung. "Ich spreche Sie an, während Russland uns bombardiert und alles zerstört, was wir in der Ukraine aufgebaut haben." In den drei Wochen des Krieges seien Tausende Ukrainer gefallen. 108 Kinder seien getötet worden – "inmitten Europas, im Jahr 2022".
Selenskyj weist im Bundestag auf Versäumnisse der Politik hinWolodymyr Selenskyj betonte in seiner Rede, wie dringend sein Land Hilfe braucht. Der ukrainische Präsident sprach davon, dass durch Europa nun wieder eine Mauer gehe: Sie trenne Freiheit von Unfreiheit und werde mit jeder Bombe auf die Ukraine und mit jeder nicht getroffenen Entscheidung für den Frieden größer.
Und Selenskyj wies auf eine ganze Reihe solcher nicht getroffenen Entscheidungen hin: Er sprach davon, wie man in Europa zu lange die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland geschont habe. Die Bedenken der Ukraine zur russischen Pipeline Nord Stream 2 seien nicht gehört worden. Vergebens habe man um einen Nato-Beitritt gebeten. Die Ukraine habe auch um präventive Sanktionen gebeten, um dem Aggressor Russland zu zeigen, dass man stark sei. Doch wegen der Wirtschaft seien die auf die lange Bank geschoben worden. Das Resultat dieser verpassten Chancen: "In Europa gibt es wieder eine Mauer."
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Ukrainischer Präsident schildert dramatische Lage in MariupolWie es hinter dieser Mauer aussehe, beschrieb Selenskyj eindringlich. Die Küstenstadt Mariupol werde eingekesselt und vernichtet. Die Stadt sei seit fünf Tagen 24 Stunden am Tag unter Beschuss. "Die russischen Truppen unterscheiden nicht zwischen militärischen Objekten und zivilen." Theater mit Schutzsuchenden, Geburtskliniken, Wohngebiete, alles werde zerstört. "Sie können das alles sehen, wenn Sie über diese Mauer schauen wollen."
Drei Wochen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wendet sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag (9.00 Uhr) in einer Videobotschaft an die Abgeordneten des Bundestags.
Selenskyj erinnerte auch an die NS-Verbrechen in der Ukraine. "Jedes Jahr sagen die Politiker: nie wieder. Jetzt sehen wir, dass diese Worte nichts wert sind." Doch die Ukraine müsse nun die Werte verteidigen, von denen in Europa so oft gesprochen werde.
Selenskyj: Ukraine braucht Hilfe bei der Verteidigung EuropasEuropa zu verteidigen, sei aber ohne Hilfe schwer. "Wir brauchen Hilfe, auch für Europa." Selenskyj wandte sich direkt an Bundeskanzler Scholz: "Zerstören sie diese Mauer. Geben Sie Deutschland die Führungsrolle, die es verdient. Unterstützen Sie den Frieden, unterstützen Sie die Ukraine." Selenskyj schloss mit den Worten: "Es lebe die Ukraine."
Selenskyj bekam vom Bundestag Standing Ovations. Botschafter Andrij Melnyk sah die Ansprache von der Besuchertribüne des Bundestags aus.
Selenskyj hat zuvor schon vor US-Kongress und EU-Parlament gesprochenSelenskyjs Rede vor dem Bundestag war für 9 Uhr geplant gewesen. Um 9 Uhr verkündete Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, dass sich die Übertragung etwas verzögere. In der Nähe des ukrainischen Präsidenten habe es einen Anschlag gegeben. Daher dauere es noch etwas, bis die Verbindung hergestellt werden könne. Mit fünf Minuten Verspätung konnte die Sitzung dann beginnen.
Selenskyj hatte erst am Vortag vor dem US-Kongress eine Video-Ansprache gehalten. Auch an das Europäische Parlament hat der ukrainische Präsident bereits per Video einen Appell geschickt und um die Aufnahme seines Landes in die EU gebeten.
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