Seite 2/3 Die Ereignisse in der Ukraine am Sonntag, 13. März
Pentagon: Wir werden Nato-Gebiet verteidigenNach dem russischen Raketenangriff nahe der polnischen Grenze hat das US-Verteidigungsministerium nochmals betont, dass die Vereinigten Staaten und die Bündnispartner das Gebiet der Nato-Staaten im Angriffsfall verteidigen werden. âEin bewaffneter Angriff gegen einen wird wie ein bewaffneter Angriff auf alle bewertetâ, sagte Sprecher John Kirby am Sonntag dem TV-Sender ABC mit Blick auf die Beistandspflicht der Nato-Partner. Dies sei auch der Grund, wieso die US- und Nato-Streitkräfte ihre Präsenz an der östlichen Grenze des Bündnisgebiets verstärkten, sagte er.
âUnd wir haben es gegenüber Russland sehr klar gemacht, dass Nato-Gebiet verteidigt werden wird, nicht nur durch die Vereinigten Staaten, sondern auch durch unsere Verbündetenâ, sagte Kirby. Er verwies darauf, dass es eine bestehende Leitung zum russischen Verteidigungsministerium gebe, um direkte Konflikte zu vermeiden.
Auch US-Präsident Joe Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan betonte am Sonntag im Gespräch mit dem Sender NBC, dass die USA âjeden Zentimeter des Nato-Gebiets verteidigen werdenâ. Das US-Militär werde aber nicht direkt in der Ukraine eingreifen, um eine Konfrontation mit Russland zu vermeiden, sagte er.
Tschechien sagt Ukraine weitere Militärhilfe zu
Tschechien will seine Militärhilfe für die von Russland angegriffene Ukraine verdoppeln. Die Regierung wolle weitere Rüstungsgüter im Wert von umgerechnet nahezu 29 Millionen Euro bereitstellen, sagte Verteidigungsministerin Jana Cernochova am Sonntag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT. Aus Sicherheitsgründen könne sie keine Angaben dazu machen, um welche Waffen es sich handelt. Der Nato-Mitgliedstaat hatte unter anderem bereits Artilleriegranaten, Maschinengewehre und Munition an Kiew geliefert.
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Um die Aufnahme der zahlreichen Flüchtlinge im eigenen Land zu unterstützen, erwägt die tschechische Armee den Bau von Zeltlagern für jeweils rund 400 Menschen. Zuvor hatte Tschechien bereits die EU offiziell um Hilfe gebeten. Man habe im Rahmen des EU-Zivilschutz-Mechanismus Wohncontainer für die Unterbringung von 50.000 Menschen angefragt, teilte eine Feuerwehrsprecherin mit.
Selenskyj: 400.000 Menschen in Mariupol eingeschlossen
Fast 125.000 Menschen seien über sogenannte humanitäre Korridore aus umkämpften Gebieten in der Ukraine gebracht worden, sagt Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft. Ein Schwerpunkt sei die Hafenstadt Mariupol, wo 400.000 Menschen eingeschlossen seien. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, hat eine unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine zugesichert: âDeutschland wird allen Menschen Schutz bieten, die aus der Ukraine zu uns fliehenâ, sagt die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. âEine genaue Zahl kann niemand vorhersagen.â
300 Milliarden Dollar durch Sanktionen gegen Russland eingefroren
Im Zuge der Sanktionen des Westens gegen Russland sind nach Angaben der Regierung bislang rund 300 Milliarden Dollar eingefroren worden. Das sei fast die Hälfte der 640 Milliarden Dollar, die Russland als Gold- und Währungsreserven angelegt gehabt habe, sagt Finanzminister Anton Siluanow am Sonntag im Staatsfernsehen. Der Westen übe Druck auf China aus, den Handel mit Russland einzuschränken. Er hoffe aber auf eine intensivere Beziehung zu China.
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Tote bei russischem Raketenangriff nahe Lwiw
Russland hat bei seinem Krieg in der Ukraine erstmals auch einen folgenreichen Raketenangriff in unmittelbarer Nähe der polnischen Grenze verübt. Am Sonntagmorgen starben mindestens 35 Menschen bei der Attacke auf einen Truppenübungsplatz unweit der Stadt Lwiw. 134 weitere wurden nach ukrainischen Angaben verletzt. Unter anderem auch rund um Kiew gingen am 18. Tag der Invasion heftige Gefechte weiter. Die Lage mehrerer Hunderttausend Einwohner der belagerten Hafenstadt Mariupol bleibt dramatisch.
Der Angriff bei Lwiw hat eine besondere Brisanz. In der Stadt sammeln sich viele Flüchtlinge. Der Ãbungsplatz Jaworiw ist nur rund 15 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt. Auf ihm waren zumindest vor dem Krieg viele Nato-Ausbilder aktiv. Videos und Fotos zeigten schwere Zerstörungen. Gebietsgouverneur Maxym Kosyzkyj zufolge wurden mehr als 30 Raketen abgefeuert. Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow forderte nach dem Angriff erneut eine Flugverbotszone über dem Land.
Bürgerrechtler: Festnahmen bei Protesten in Russland
Bei neuen Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine sind in Russland nach Angaben von Bürgerrechtlern landesweit mehr als 60 Menschen festgenommen worden. Zu den Festnahmen sei es bei Protesten in 14 Städten gekommen, teilte die Organisation Owd-Info am Sonntagmittag mit. Es wurde damit gerechnet, dass diese Zahl im Laufe des Tages weiter steigt. Aktionen gab es demnach etwa in Wladiwostok im äuÃersten Osten Russlands und in Irkutsk am Baikalsee sowie in der sibirischen Stadt Tomsk.
Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie Menschen von Polizisten mit Schutzhelmen und schwerer Ausrüstung weggezerrt wurden. Insgesamt wurden den Angaben von Owd-Info seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar mehr als 13.800 Menschen festgenommen.
In der Hauptstadt Moskau war ein bei Touristen beliebter Platz direkt am Kreml mit Metallgittern weiträumig abgesperrt, wie ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Für den Fall neuer Proteste standen Hundertschaften der Sonderpolizei OMON bereit, teils mit schusssicheren Westen und Helmen. Bewaffnete waren auch vor der Staatsduma zu sehen. Viele Gefangenen-Transporter standen bereit.
Der inhaftierte Kremlgegner Alexej Nawalny hatte seine Landsleute zuvor aufgerufen, gegen den Krieg auf die StraÃe zu gehen.
Behörden: Erneut ukrainischer Bürgermeister verschleppt
In der Südukraine ist nach Behördenangaben erneut ein Bürgermeister von russischen Truppen verschleppt worden. âKriegsverbrechen werden immer systematischerâ, schrieb der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Saporischschja, Olexander Staruch, am Sonntag bei Facebook. âDer Bürgermeister von Dniprorudne, Jewhenij Matwjejew, wurde entführt.â Dniprorudne ist eine Kleinstadt mit knapp 20.000 Einwohnern am Fluss Dnipro, der an dieser Stelle zum Kachowkaer Stausee gestaut ist.
Zuvor hatte Kiew bereits mitgeteilt, dass der Bürgermeister der Stadt Melitopol verschleppt wurde. An seiner Stelle setzten die russischen Truppen eine moskauhörige Politikerin als Statthalterin ein. Beobachter schlieÃen nicht aus, dass Russland unter dem Vorwand einer âEntnazifizierungâ der Ukraine auch in anderen eroberten Gebieten die Verwaltung auswechselt. Der Kreml behauptet, in Kiew hätten âNazisâ das Sagen.
Russische Truppen rücken näher an polnische Grenze
Russische Streitkräfte haben am Sonntagmorgen einen Truppenübungsplatz in der Westukraine angegriffen und damit ihre Offensive näher an die Grenze zu Polen gebracht. Ein hochrangiger russischer Diplomat hatte zuvor gewarnt, dass Moskau ausländische Lieferungen von militärischer Ausrüstung an die Ukraine als legitime Ziele betrachte. Bei dem Angriff sind nach Angaben des Gouverneurs der Region Lwiw mindestens neun Menschen getötet worden. 57 weitere seien verletzt worden. Russland habe rund 30 Raketen auf den Stützpunkt abgefeuert. Einige seien abgefangen worden.
Mindestens eine Tote bei Busunglück mit Flüchtlingen in Italien
Nach Angaben des italienischen Rundfunks ist ein Bus mit etwa 50 Flüchtlingen aus der Ukraine auf einer HauptverkehrsstraÃe in Norditalien umgekippt. Eine Frau sei ums Leben gekommen, mehrere andere Fahrgäste wurden verletzt. Es war nicht sofort klar, wohin der Bus unterwegs war. Der Unfall ereignete sich am frühen Sonntag in der Nähe der Stadt Forli'. Rund 35.000 ukrainische Kriegsflüchtlinge sind nach Italien gekommen, die meisten von ihnen über die nordöstliche Grenze zu Slowenien. Forli' liegt in der Region Emilia-Romagna, die an die Adria grenzt und bisher etwa 7000 Flüchtlinge aufgenommen hat. Der Unfall wird derzeit untersucht.
Erstmals Explosionen bei Lwiw in Westukraine
Der russische Krieg in der Ukraine hat erstmals die westukrainische Metropole Lwiw erreicht, in der sich viele Flüchtlinge sammeln. Nach Angaben der regionalen Militärverwaltung schlugen acht Raketen nordwestlich von Lwiw im âZentrum für Internationale Friedenssicherung und Sicherheitâ ein. Dort befinden sich ein Militärausbildungszentrum und ein Truppenübungsplatz. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete am Sonntagmorgen von mehreren Detonationen.
Russische Einheiten versuchen weiter Sturm Mariupols
Russische Einheiten versuchen nach ukrainischen Angaben weiter eine Erstürmung der Stadt Mariupol. Prorussische Separatisten stieÃen dort mit Unterstützung russischer Truppen in östliche Randbezirke vor, wie die ukrainischen Streitkräfte mitteilten. Eine russische Offensive stehe zudem der Stadt Sjewjerodonezk mit 100.000 Einwohnern im Gebiet Luhansk bevor. Im Süden des Landes bauten russische Truppen Kräfte an der IndustriegroÃstadt Krywyj Rih mit über 600.000 Einwohnern auf. Die Angaben waren unabhängig nicht überprüfbar.
Evakuierung in Mariupol erneut gescheitert
In der von der russischen Armee belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine scheiterte am Samstag ein weiterer Anlauf zur Evakuierung von Zivilisten. 50 Busse hätten wegen Beschusses nicht abfahren können, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk sagte, die Kolonne sei fünf Stunden an einem Kontrollpunkt festgehalten worden sei. Am Sonntag solle es einen weiteren Versuch geben. Anderswo hätten die Fluchtkorridore funktioniert, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Insgesamt hätten an dem Tag 12.729 Menschen belagerte und umkämpfte Städte verlassen können, der GroÃteil davon aus der Stadt Sumy im Nordosten.
Nato-Chef zur Ukraine: Nächste Tage werden wohl gröÃere Not bringen
Die Nato erwartet eine weitere Verschärfung der Kämpfe und der humanitären Notlage. âWir sehen mit Schrecken die steigenden Zahlen ziviler Opfer und die sinnlose Zerstörung durch die russischen Kräfteâ, sagte der Generalsekretär der Militärallianz, Jens Stoltenberg, der Zeitung âWelt am Sonntagâ. Die Menschen in der Ukraine widersetzten sich der Invasion mit Mut und Entschiedenheit, âaber die kommenden Tage werden wahrscheinlich noch gröÃere Not bringenâ, warnte er.
Welche Unternehmen sich von Russland abwenden
Stoltenberg lehnte erneut Forderungen ab, die Nato solle eine Flugverbotszone über der Ukraine durchsetzen. Das würde bedeuten, dass russische Kräfte angegriffen werden müssten. âUnd damit würde man eine direkte Konfrontation und eine unkontrollierbare Eskalation riskieren. Wir müssen diesen Krieg beenden und ihn nicht noch ausweiten.â Die Nato sei eine defensive Allianz. âWir suchen keinen Konflikt mit Russland.â
Selenskyj droht Kollaborateuren Russlands in der Ukraine
Selenskyj droht möglichen Kollaborateuren Russlands in der Ukraine. Wer sich von Angeboten der russischen Besatzer in Versuchung geführt sehe, unterschreibe damit sein eigenes Urteil, sagte er in einer in der Nacht zu Sonntag veröffentlichten Videobotschaft. âDas Urteil lautet, mehr als 12.000 Besatzern zu folgen, die nicht rechtzeitig verstehen konnten, warum die Ukraine nicht angegriffen werden sollte.â Zuletzt hieà es von ukrainischer Seite, dass mehr als 12.000 russische Soldaten in dem Krieg in der Ukraine getötet worden seien.
Nach dem hartnäckigen militärischen Widerstand der Ukrainer sieht Selenskyj erste Veränderungen der Position Russlands. âJetzt haben sie begonnen, über etwas zu reden â" und nicht einfach Ultimaten zu stellenâ, sagte er am Samstag vor internationalen Journalisten in Kiew. Der 44-Jährige ist nach eigenen Worten zufrieden damit, da es das erste Mal seit über zwei Jahren sei, dass Moskau zu einem Dialog bereit sei.
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