Ukraine-Projekte der Zoo-Gesellschaft Frankfurt


Wertvolle Landschaft: Drohnenaufnahme aus den Karpaten Bild: Daniel Rosengren/ZGF

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt hofft auf eine Zukunft ihrer Ukraine-Projekte. Die Naturschutzorganisation plant Nothilfen für Nationalparks in den Karpaten und in der Polesie.

Vierteljahresmagazine sind naturgemäß nicht nur für einen kurzen Zeitraum angelegt, ihre Themen müssen länger halten. Als die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) das Titelthema für ihre aktuelle Ausgabe wählte und begann, die Texte vorzubereiten, war die Brisanz dessen noch niemandem klar. Die im Zoogesellschaftshaus beheimatete, aber weltweit an fast zwei Dutzend Standorten wie der Serengeti, dem Manu-Nationalpark in Peru oder in deutschen Naturschutzgebieten aktive Naturschutzorganisation widmete das Heft ihren osteuropäischen Projekten. Darunter befinden sich auch Vorhaben in den Karpaten und der Polesie.

Die Invasion der russischen Armee am 24. Februar hat die Gestaltung des Magazins dementsprechend maßgeblich beeinflusst. Die Überschrift eines Artikels lautet pessimistisch: „Die Polesie war ein Erfolgsmodell für neue Schutzgebiete". Zum Redaktionsschluss war den Heftverantwortlichen die Hoffnung offenbar abhandengekommen. Die Region im Norden der Ukraine war eines der Hauptaufmarschgebiete der russischen Armee, das tagelang heftig umkämpfte Atomkraftwerk Tschernobyl liegt am Rand des Nationalparks.

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JETZT F+ LESEN Vor der Zukunft steht noch die Gegenwart mit ihren Herausforderungen

Michael Brombacher hört sich mittlerweile immerhin etwas optimistischer an. „Es wird eine Zeit geben nach diesem Krieg. Da werden wir weiterarbeiten und die Ukraine nicht im Stich lassen", sagt der Leiter der Europa-Abteilung der ZGF. „Das ist auch alternativlos: Gerade die Karpaten sind mit die wertvollsten Naturlandschaften, die wir in Europa haben." Die ZGF sei schon in Gesprächen mit Geldgebern, um in Zukunft die nötigen Millionen für Löhne oder Benzin zu finanzieren, die die Ukraine für lange Zeit nicht mehr werde stemmen können. Unmittelbare Auswirkungen auf die Natur durch den Krieg sieht Brombacher bislang noch nicht. Einzelne Waldbrände seien auch ohne Krieg nichts Ungewöhnliches in dieser Jahreszeit. Eher fürchte die ZGF die langfristigen Folgen. „Es könnte wirtschaftlichen Druck geben auf die Wälder, da Holz ein Wertstoff ist."

Vor der Zukunft aber steht noch die Gegenwart mit ihren Herausforderungen. Die ZGF stellte nach Beginn des Kriegs zunächst sicher, dass ihre elf Mitarbeiter im eigenen Büro in Lwiw oder in der Polesie in Sicherheit gelangten. „Wir waren plötzlich konfrontiert mit Herausforderungen, die wir uns hier in Europa nicht haben vorstellen können", sagt Brombacher. Der ZGF sei in der Krise zugutegekommen, dass Mitarbeiter aus Afrika oder Südamerika Erfahrungen im Umgang mit Grenzsituationen hätten. „Wir waren im engen Austausch mit Kolleginnen von anderen Kontinenten, die krisenerfahrener sind als wir. Sie wissen viel besser um Sicherheitsrisiken oder auch professionelle Hilfe für Mitarbeiter, die emotional ausgelaugt waren."

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Manche Mitarbeiter zogen sich wie viele Ukrainer in die Karpaten zurück, also genau jene Region, in der die ZGF aktiv ist. „Sie haben dann dort mitgeholfen, dass auch in Verwaltungsgebäuden oder Gästehäusern für Wissenschaftler, die in der Region im Naturschutz tätig sind, Unterkünfte entstehen." Gut 500 Schlafplätze habe man geschaffen und wenigstens einem Teil der geschätzt 65 000 in die Wälder geflohenen Ukrainer eine Zuflucht bieten können. „Es muss keiner in diesen Wäldern in Zelten schlafen", sagt Brombacher. Die ZGF und Organisationen aus dem benachbarten Rumänien hätten nach Kräften geholfen, hätten Betten bauen lassen, Matratzen und Bettzeug besorgt, aber auch Nahrung und Medikamente.

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Für manche Mitarbeiter herrscht mittlerweile gar ein wenig Normalität: Eine Kollegin arbeitet in Polen in einem Nationalpark, eine weitere von der Frankfurter Zentrale aus. „Es gibt auch Wissenschaftler von uns, die in den Karpaten wieder ihre Posten bezogen haben, weil sie nicht mehr ausgehalten haben, von morgens bis abends Nachrichten zu schauen", sagt Brombacher. „Die Arbeit ist für sie derzeit Ablenkung." dme.

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