Ukraine-Krieg im Ticker: Ukrainer sollen Kriegsverbrechen melden


Vor über einem Monat hat der russische Angriffskrieg in der Ukraine begonnen. Nach einem grausamen Raketenangriff auf einen Bahnhof mit flüchtenden Menschen in Kramatorsk sind mindestens 50 Menschen gestorben. Alle Neuigkeiten zum Angriff auf die Ukraine finden Sie im Ticker.

Das Wichtigste zum Krieg in der Ukraine 10.50 Uhr: Putin beruft neuen General, den er nach Syrien-Einsatz zum Helden erklärte 07.01 Uhr: Gouverneur von Luhansk: Gebiete "niedergebügelt", Evakuation "unmöglich" 19.56 Uhr: Bürgermeister: Mehr als 130 erschossene Zivilisten in Makariw bei Kiew entdeckt 18.07 Uhr: Bürgermeister: Rund 700 Tote in ukrainischer Stadt Tschernihiw in den vergangenen Wochen 16.20 Uhr: Gouverneur: Zahl der Toten in Kramatorsk steigt auf 50 12.09 Uhr: Russland dementiert Angriff auf Bahnhof, meldete zuvor aber Beschüsse Nach Gräueltaten: Ukrainer sollen Kriegsverbrechen melden

12.02 Uhr: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat die Menschen im Land aufgerufen, mutmaßliche Kriegsverbrechen russischer Soldaten zu melden. Dafür sei nun eine eigene Homepage eingerichtet worden, schrieb Kuleba auf Twitter.

„Die gesammelten Beweise für die von Russlands Armee in der Ukraine begangenen Gräueltaten werden sicherstellen, dass diese Kriegsverbrecher der Justiz nicht entkommen können", erklärte er. Auf der Seite wurden bislang neben Fotos auch Berichte von Augenzeugen veröffentlicht, die die Ermordung, Folter und Vergewaltigung von Zivilisten schildern.

Die Ukraine und auch viele westliche Experten machen russische Truppen unter anderem für Verbrechen im Kiewer Vorort Butscha verantwortlich, wo am vergangenen Wochenende die Leichen Hunderter Bewohner gefunden worden waren. Kiew gibt Moskau zudem die Schuld an dem Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk mit mehr als 50 Toten. Russland bestreitet beides.

 

Regierungsvertreter: Russland stellt Kommando in der Ukraine um

10.50 Uhr: Russland soll seine Kriegsführung in der Ukraine umorganisiert und einen neuen Kommandeur mit Syrien-Erfahrungen an deren Spitze gesetzt haben. Einem westlichen Regierungsvertreter zufolge wird die Militäroperation nun von dem General Alexander Dwornikow geleitet, der umfassende Kriegserfahrung aus Syrien hat. Er ist zuletzt Befehlshaber im südlichen Wehrbezirk Russlands gewesen.

Für seinen Einsatz im Syrien-Krieg wurde er 2016 von Präsident Wladimir Putin mit dem Heldenstatus ausgezeichnet. Offiziell wurde der Kommandowechsel von russischer Seite zunächst nicht bestätigt.

Nach seinem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar hat es Russland nicht geschafft, größere Städte wie die Hauptstadt Kiew einzunehmen. Zuletzt hat es sich in seinem Angriffskrieg vor allem auf die ostukrainische Donbass-Region fokussiert.

Briten erwarten mehr russische Luftangriffe in Süd- und Ostukraine

10.30 Uhr: Die britische Regierung rechnet mit zunehmenden russischen Luftschlägen im Süden und Osten der Ukraine. Damit solle die russischen Angriffe in der ostukrainischen Donbass-Region sowie rund um die südlichen Städte Mariupol und Mykolajiw unterstützt werden, auf die sich Russland derzeit fokussiere, teilte das britische Verteidigungsministerium am Samstag in seinem regelmäßigen Geheimdienst-Update mit.

Das russische Vorhaben, einen Landkorridor zwischen der Schwarzmeer-Halbinsel Krim und dem Donbass zu errichten, werde jedoch weiter vom ukrainischen Widerstand verhindert.

Russland greife weiterhin ukrainische Zivilisten an, so wie diejenigen, die bei dem Raketenangriff auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk getötet worden seien, schrieben die Briten zudem. Bei dem Angriff waren am Freitag nach ukrainischen Angaben mehr als 50 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt worden.

  Gouverneur von Luhansk: Gebiete „niedergebügelt", Evakuation „unmöglich"

Samstag, 09. April, 07.01 Uhr: Die Angriffe russischer Einheiten im Donbass im Osten der Ukraine gehen ukrainischen Angaben zufolge weiter. Die russischen Truppen konzentrierten sich darauf, die Orte Rubischne, Nischne, Popasna und Nowobachmutiwka zu übernehmen und die volle Kontrolle über die Stadt Mariupol zu erlangen, berichtete die Agentur Unian unter Berufung auf den Bericht zur militärischen Lage des ukrainischen Generalstabs am Samstagmorgen.

Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, hatte am Freitag der Internet-Zeitung „Ukrajinska Prawda" gesagt, dass im Gebiet Luhansk die Situation in den Städten Rubischne und Popasna am schwierigsten sei. Ein Teil der 50.000-Einwohner-Stadt Rubischne sei von russischen Einheiten eingenommen worden, es gebe ständige Positionskämpfe und Beschuss.

Auch Popasna mit seinen rund 20.000 Einwohnern werde seit mehr als einem Monat „niedergebügelt", sagte Hajdaj. Es sei unmöglich, Menschen von dort zu evakuieren, da „dort links und rechts alles bombardiert" werde. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Von den Militärexperten des US-Kriegsforschungsinstituts Institute for the Study of War (ISW) hieß es in der Nacht zu Samstag zu Mariupol, dass die ukrainischen Streitkräfte weiter Verteidigungsstellungen im Osten und Südwesten der belagerten Hafenstadt hielten, vor allem beim Stahlwerk Asovstal und im Bereich des Hafens.

Im Bericht des ukrainischen Generalstabs hieß es laut Unian weiter, die Streitkräfte des Landes hätten am Freitag sieben Angriffe russischer Einheiten zurückschlagen können. Auch rund um die von russischen Truppen besetzte Stadt Isjum im Gebiet Charkiw seien Angriffe abgewehrt worden. Im Süden seien erneut Ziele in der Region Odessa vom Territorium der von Russland annektierten Krim aus mit Raketen beschossen worden.

Ukrainische Ombudsfrau berichtet von Vergewaltigungen Minderjähriger

21.57 Uhr: Die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Ljudmyla Denissowa, hat russischen Soldaten Vergewaltigungen Minderjähriger vorgeworfen. Ein 14 Jahre altes Mädchen aus dem Kiewer Vorort Butscha sei von fünf verschiedenen Männern missbraucht worden und jetzt schwanger, schrieb Denissowa am Freitag auf Facebook.

Auch ein ebenfalls aus Butscha stammender elfjähriger Junge sei vergewaltigt worden - während seine Mutter an einen Stuhl gefesselt habe zusehen müssen. Die Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden. Denissowa appellierte an die Vereinten Nationen, diese und andere Kriegsverbrechen zu untersuchen.

Aus Butscha hatten am vergangenen Wochenende die Bilder Hunderter ermordeter Zivilisten international für Entsetzen gesorgt. Die Ukraine wirft russischen Soldaten vor, die Verbrechen vor ihrem Abzug aus der Region begangen zu haben. Moskau bestreitet das.

Von vergewaltigten ukrainischen Zivilisten berichtete auch der Leiter der Militärverwaltung von Krywyj Rih, Olexander Wilkul. Zu den Opfern im Gebiet Cherson zählten demnach etwa eine 16 Jahre alte Schwangere und eine 78-jährige Frau.

Ausgangssperre in Odessa wegen drohender russischer Raketenangriffe

20.51 Uhr: Die ukrainischen Behörden in der südlichen Region Odessa haben nach den tödlichen russischen Raketenangriffen auf einen Bahnhof im Osten der Stadt am Freitag eine Ausgangssperre für die nächsten anderthalb Tage verhängt. Das berichtet „CNN".

Wegen der Gefahr von Raketenangriffen der russischen Streitkräfte in der Provinz wurden die Bewohner aufgefordert, von Freitag 21.00 Uhr bis Sonntagmorgen 6.00 Uhr zu Hause zu bleiben.

Während der Ausgangssperre sei es verboten, sich ohne besondere Erlaubnis auf der Straße oder an öffentlichen Plätzen aufzuhalten, teilte die staatliche Regionalverwaltung von Odessa in einer Erklärung mit.

„Ich appelliere an die Einwohner von Odessa und der Region, die verhängten Einschränkungen nicht zu verletzen. Solche Maßnahmen sind in erster Linie für Ihre Sicherheit notwendig, die Ihr Leben retten wird, denn die Folgen können tödlich sein", sagte der Leiter der regionalen Militärverwaltung von Odessa, Maxim Marchenko.

Bürgermeister: Mehr als 130 erschossene Zivilisten in Makariw bei Kiew entdeckt

19.56 Uhr: Unweit der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind im Ort Makariw nach Angaben des Bürgermeisters 132 Zivilisten erschossen aufgefunden worden. Die meisten Toten seien in Massengräbern entdeckt worden, sagte Wadym Tokar am Freitag im ukrainischen Fernsehen. Tokar machte für das Verbrechen russische Soldaten verantwortlich, die mehrere Orte in der Region bis vor kurzem besetzt hatten. Die Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden.

Das mehr als 50 Kilometer westlich von Kiew gelegene Dorf sei zu etwa 40 Prozent zerstört, sagte der Bürgermeister. Es gebe derzeit weder Strom- noch Gas-Versorgung.

Vor knapp einer Woche waren bereits in dem ebenfalls im Kiewer Umland gelegenen Ort Butscha die Leichen Hunderter Zivilisten gefunden worden. Die Bilder sorgten international für Entsetzen. Auch für diese Gräueltaten macht Kiew russische Truppen verantwortlich. Moskau bestreitet das.

US-Verteidigungsbeamter: Bahnhof von Kramatorsk von russischer Kurzstreckenrakete getroffen

18.30 Uhr: Nach erster Einschätzung der USA handelte es sich bei der Rakete, die den Bahnhof von Kramatorsk traf, um eine ballistische Kurzstreckenrakete, die von einer russischen Stellung innerhalb der Ukraine abgefeuert wurde, so ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter laut „CNN" am Freitag.

Zuvor hatte die Ukraine den russischen Streitkräften vorgeworfen, bei dem Angriff am Freitag, bei dem mindestens 50 Menschen starben, wahllos Streumunition eingesetzt zu haben.

Pawlo Kyrylenko, der Leiter der Militärverwaltung der Region Donezk, sagte, dass eine russische Tochka-U-Rakete, die mit kleinen Bomblets bestückt war, Zivilisten traf, die das Gebiet evakuierten.

Die russischen Streitkräfte werden beschuldigt, regelmäßig Streumunition gegen zivile Ziele in der Ukraine einzusetzen. Letzte Woche erklärte die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine, ihr lägen glaubwürdige Anschuldigungen vor, dass die russischen Streitkräfte mindestens 24-mal Streumunition in bewohnten Gebieten eingesetzt hätten.

Solche Angriffe „können Kriegsverbrechen darstellen", sagte die UN-Menschenrechtsbeauftragte Michelle Bachelet vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf.

Bürgermeister: Rund 700 Tote in ukrainischer Stadt Tschernihiw in den vergangenen Wochen

18.07 Uhr: In den vergangenen Wochen der russischen Belagerung sind in der nordukrainischen Stadt Tschernihiw nach Angaben des Bürgermeisters etwa 700 Menschen getötet worden. Mindestens 40 weitere würden vermisst, sagte Wladyslaw Atroschenko am Freitag nach Angaen der Agentur Unian. Von den mehr als 285.000 Einwohnern, die Tschernihiw einst zählte, seien mittlerweile nur noch maximal 95.000 übrig. Russland hatte vor rund anderthalb Wochen einen Truppenabzug rund um Tschernihiw sowie um die Hauptstadt Kiew angekündigt, um verstärkt im Osten anzugreifen.

Ein westlicher Regierungsvertreter sagte, die Russen seien in beiden Gebieten überstürzt abgezogen und hätten viele Militärfahrzeuge zurückgelassen.

Bürgermeister Atroschenko hatte bereits davon gesprochen, dass Tschernihiw zu rund 70 Prozent zerstört sein soll. Die unweit der Grenzen zu Belarus und Russland gelegene Stadt war vor dem Krieg vor allem bekannt für ihre zahlreichen mittelalterlichen Kirchen und Klöster.

Gouverneur: Zahl der Toten in Kramatorsk steigt auf 50

16.20 Uhr: Die Zahl der Toten durch den Raketenangriff in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk ist nach offiziellen Angaben auf 50 gestiegen. Darunter seien fünf Kinder, sagte der Gouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, am Freitag dem Portal „strana.news" zufolge. Bei dem Angriff auf den Bahnhof der Stadt seien zudem 98 Menschen verletzt worden, davon 16 Kinder.

Die Ukraine macht russische Truppen für den Angriff verantwortlich, bei dem vermutlich mindestens eine Rakete vom Typ Totschka-U eingesetzt wurde. Moskau weist dies zurück und betont, diesen Raketentyp nicht zu verwenden. Die prorussischen Separatisten behaupteten, ukrainische Truppen hätten das Geschoss abgefeuert.

Am Bahnhof in Kramatorsk hielten sich zahlreiche Menschen auf, die auf eine Evakuierung hofften. Zuvor hatten die ukrainischen Behörden die Bevölkerung zur Flucht aufgefordert. In der Region steht eine russische Offensive bevor.

Kuleba: Russische Streitkräfte wussten, dass Kramatorsk-Bahnhof voller Zivilisten war

13.47 Uhr: Der ukrainische Außenminister Kuleba hat via Twitter berichtet, dass die russischen Soldaten gewusst haben, dass der attackierte Bahnhof in Kramatorsk voller Zivilisten war. „Die Russen wussten, dass der Bahnhof in Kramatorsk voll von Zivilisten war, die darauf gewartet haben evakuiert zu werden. Dennoch haben sie mit einer Rakete angegriffen und dabei über 30 Menschen getötet und mehr als hundert Menschen verletzt." Kuleba verurteilt diese Aktion der russischen Armee und nennt dies „vorsätzliche Schlachtung".

Raketenangriff in Kramatorsk - Zahl der Toten steigt auf 39

13.37 Uhr: Bei einem Raketenangriff auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk sind nach offiziellen Angaben Dutzende Menschen getötet und verletzt worden. Mittlerweile ist die Anzahl der Todesopfer auf 39 gestiegen. Darunter sollen auch vier Kinder sein. Das berichtet die Nachrichtenagentur „AFP" und beruft sich auf die Aussagen des ukrainischen Sicherheitsdienstes.

Ukraine: Tschernobyl-Mitarbeiter wurden nach Russland verschleppt

12.31 Uhr: Nach Angaben des ukrainischen Innenministers Denys Monastyrsky wurde das Sicherheits-Personal der Atomruine Tschernobyl nach Russland verschleppt. Das berichtet der CNN-Reporter Frederik Pleitgen. Er soll gestern gemeinsam mit dem Innenminister Monastyrsky die Atomruine besucht haben.

Nach der Eroberung von Tschernobyl haben die russischen Besatzer 170 Mitarbeiter beinahe einen Monat lang in eigenen Bunkern in Russland festgehalten, so Pleitgen auf Twitter. Laut Pleitgen hat der Innenminister Denys Monastyrsky erklärt, dass die Mitarbeiter mit Gewalt entführt worden sind und niemand weiß, wo sie festgehalten werden.

Russland dementiert Angriff auf Bahnhof, meldete zuvor aber Beschüsse

12.09 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium hat eine Verantwortung für den Raketenangriff auf einen Bahnhof in Kramatorsk (siehe Eintrag um 10.23 Uhr) zurückgewiesen. Das sei eine eine „Provokation", die „nichts mit der Realität zu tun hat".

Brisant dabei: Zunächst war aus dem Ministerium verlautbart worden, es habe heute Hochpräzisionsraketen auf drei Bahnhöfe im Donbass abgefeuert. Ob Kramatorsk darunter war, ist nicht bekannt. Doch nachdem das Ausmaß der Opfer in Kramatorsk klar wurde, ruderte das Ministerium nun zurück.

Weitere Meldungen zum Ukraine-Konflikt lesen Sie auf den nächsten Seiten.

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