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Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht auf einem vorab aufgezeichneten Video bei einer Kundgebung am Lincoln Memorial am Sonntag (27. März 2022). © picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire | Michael BrochsteinRussland hat einen Strategiewechsel in der Ukraine angekündigt. Russlands Truppen konzentrieren sich auf den Osten des Landes, was die Angst vor einer Trennung der Ukraine schürt.
Kiew - Russland deutete zuletzt angesichts des heftigen Widerstands der Ukrainer einen Strategiewechsel im Ukraine-Konflikt an. Künftig werde sich die Armee auf die âBefreiungâ der Donbass-Region in der Ostukraine konzentrieren, sagte Russlands Vize-Generalstabschef Sergej Rudskoj am Freitag.
Kiew befürchtet nun eine Zuspitzung der Lage in Mariupol und im Osten des Landes: âDies bedeutet eine potenzielle oder starke Verschlechterung rund um Mariupolâ, sagte der ukrainische Präsidentenberater Oleksij Arestowytsch in einer auf dem Telegram-Konto des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj veröffentlichten Videobotschaft. Doch auch längerfristige Sorgen bereitet die Ankündigung der Ukraine: Die einer Teilung wie zwischen Nord- und Südkorea.
Ukraine fürchtet Teilung - Selenskyj glaubt nicht mehr an âBefreiungâ der Separatisten-GebieteDer ukrainische Geheimdienstchef Kyrylo Budanow schrieb im Online-Netzwerk Facebook, Russlands Präsident Wladimir Putin ziele möglicherweise auf eine Teilung der Ukraine nach dem Vorbild von Nordkorea und Südkorea ab. âEs gib Gründe anzunehmen, dass er eine Trennungslinie schaffen will zwischen den besetzten und den nicht besetzten Gebieten unseres Landes - ein Versuch, Süd- und Nordkorea in der Ukraine zu schaffenâ, erklärte der Chef des Militärgeheimdienstes GUR mit Blick auf Putin.
Selenskyj selbst sagte, ein Sieg für die Ukraine sei es, wenn sich die russischen Truppen in die von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebiete im Osten âzurückziehenâ. âVon dort aus werden wir versuchen, die Donbass-Frage zu lösenâ, sagte Selenskyj, der betonte: âWir verstehen, dass es unmöglich ist, das Gebiet vollständig zu befreien.â Eine Rückeroberung der Gebiete würde âden Dritten Weltkriegâ auslösen.
Ukraine: Donbass-Separatisten fordern Referendum - Parallelen zu Korea?Der Separatisten-Anführer in Luhansk, Leonid Pasetschnik, schlug ein Referendum über den âBeitrittâ zu Russland âin naher Zukunftâ vor. Der Sprecher des ukrainischen AuÃenministeriums, Oleg Nikolenko, verurteilte den Vorschlag als Teil der fortgesetzten russischen Bemühungen, âdie Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine zu untergrabenâ. Er schrieb auf Twitter: âAlle Scheinreferenden in den vorübergehend besetzten Gebieten sind null und nichtig und werden keine Legitimität haben.â
Die koreanische Halbinsel wurde noch während des Zweiten Weltkriegs von der UdSSR und den USA besetzt. Eigentlich sollten Wahlen auf der ganzen Halbinsel durchgeführt werden. Diese kamen jedoch nicht zustande. Stattdessen gab es im sowjetischen Norden Wahlen und im von den USA besetzten Süden Wahlen. Im Anschluss wurden zwei koreanische Staaten gegründet, welche jeweils Anspruch auf das gesamte Gebiet erhoben.
Ukraine: Putins offizieller Plan schürt Hoffnungen - zugleich groÃe Sorge um MariupolUrsprünglich hatte Kreml-Chef Wladimir Putin das Ziel ausgegeben, die Ukraine zu âdemilitarisieren und zu entnazifizierenâ. Von einer Besetzung des Landes hatte er aber nicht gesprochen, was ihm Beobachtern zufolge nun Spielraum für eine Verhandlungslösung geben könnte. Denn der Strategiewechsel der vergangenen Tage stellt erst einmal eine Konzentration auf die östlichen Gebiete der Ukraine dar.
Am Montag sollten erneut Verhandlungen starten. In der Ukraine wird allerdings befürchtet, Russland könne die neue Ukraine-Verhandlungsrunde nutzen, um taktische und logistische Probleme seiner Truppen in der Ukraine zu beheben. GroÃe Sorge gibt es auch um die Menschen in der belagerten Hafenstadt Mariupol.
Die humanitäre Lage in Mariupol ist ohnehin schon âkatastrophalâ, wie das ukrainische AuÃenministerium in der Nacht zum Montag auf Twitter erklärte. In der belagerten Hafenstadt Mariupol kämpften die Eingeschlossenen weiter âums Ãberlebenâ. Selenskyj zufolge ist es weiterhin âunmöglich, Lebensmittel und Medikamenteâ in die Stadt zu bringen. âDie russischen Streitkräfte bombardieren die Konvois mit humanitärer Hilfe und töten die Fahrer.â Zuletzt waren mehrere Versuche, sichere Fluchtwege für die Zivilisten einzurichten, gescheitert. Die Kriegsparteien wiesen sich die Schuld daran gegenseitig zu. (lp/AFP)
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