Stimmen zur Ukraine-Krieg: Krisen-Stimmung in Putins engstem Kreis


Stimmen zum Ukraine-Krieg: Krisen-Stimmung im Kreml: In Putins engstem Kreis „jubelt niemand" mehr

Nach dem Einmarsch der russischen Streitkräfte in die Ukraine herrscht vielerorts Entsetzen. Nun hat sich auch Ex-Trump-Berater John Bolton geäußert. Und in Putins engstem Kreis herrscht laut Berichten Krisenstimmung.

Außenpolitischer Sprecher der Union: "Befürchte, dass Putin den Kampf eskalieren wird"

08.20 Uhr: Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt, befürchtet eine weitere Eskalation im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

Es werde immer deutlicher, dass Präsident Putin sich mit diesem Überfall auf die Ukraine total verschätzt habe, sagte Hardt am Montag im Inforadio vom rbb. Deshalb stehe der Präsident mit dem Rücken zur Wand:

"Er hat die Widerstandkraft der Ukraine unterschätzt, er hat die Geschlossenheit des Westens unterschätzt und er hat vor allem die Schlagkraft seiner eigenen Landstreitkräfte überschätzt. Das, was wir an russischen Militäraktionen am Boden sehen, entspricht weder dem, was wir in der NATO erwartet haben, zu was Russland in der Lage wäre noch vermutlich dem, was sich Putin vorgestellt hat."

Hardt plädierte außerdem dafür, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu verstärken: " Wir sollten bereit sein zu sagen, die exklusiven Zugänge zu russischem Gas, wie wir sie über die Nordstream 1 Pipline haben;,die ja nur nach Deutschland führt und alle anderen Länder umgeht, diese bevorzugte Versorgung sollten wir in Frage stellen und sagen: Wir sind solidarisch mit den anderen Europäern und beziehen unser Gas über die Leitungen, die auch für die anderen zur Verfügung stehen."

Krisen-Stimmung in Putins engstem Kreis: "Niemand jubelt. Viele glauben, dass es ein Fehler ist"

Montag, 14. März, 06.12 Uhr: Wie ist die Stimmung im Kreis der Berater von Wladimir Putin? Diese Frage stellen sich seit Kriegsausbruch viele. Wenn man Berichten der russischen Journalistin Farida Rustamova glauben darf, herrscht gerade Krisenstimmung im innersten Kreis von Wladimir Putin.

So berichtet Rustamova von mehreren Kreml-Quellen, dass selbst engste Berater Putins vom Krieg überrascht wurden. "Niemand feiert hier. Viele wissen, dass es ein Fehler ist, aber um ihre Pflicht zu tun, finden sie irgendwelche Erklärungen, um damit umzugehen", zitiert die Journalistin eine Quelle im Kreml. Demnach habe niemand damit gerechnet, dass Putin tatsächlich in den Krieg ziehen werde.

Ex-Trump-Berater Bolton: "Putin hat keine Schraube locker - aber er hat sich grandios verrechnet"

14.32 Uhr: John Bolton, Ex-Berater des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, glaubt nicht, dass Wladimir Putin verrückt ist. "Ich weiß, dass im Moment viele denken, dass Putin eine Schraube locker hat. Ich bin kein Psychologe, aber ich glaube nicht, dass das stimmt", sagte Bolton dem "Spiegel".

Klar sei aber: Putin habe sich "ganz offenkundig" grandios verrechnet, so Bolton weiter. "Die russische Armee hat den Fehler gemacht, sich nicht auf ein Ziel zu konzentrieren, was zu dem Chaos geführt hat, das wir nun sehen." Bolton glaubt außerdem nicht, dass Putin die ganze Ukraine einnehmen will. "Ich glaube Putin will die östlichen und südlichen Teile der Ukraine, wo vor allem die russischsprachigen Ukrainer leben. Und er will die totale Kontrolle über die Nordküste des Schwarzen Meeres, die er ja fast schon besitzt. In diesem Szenario könnte er aus diesem Teil der Ukraine einen russischen Marionettenstaat machen."

Baerbock: Arbeiten an Luftbrücke für Geflüchtete in Moldau

06.30 Uhr: Deutschland arbeitet nach Angaben von Außenministerin Annalena Baerbock gemeinsam mit internationalen Partnern an einer Luftbrücke für ukrainische Geflüchtete aus Moldau. Eine solche Luftbrücke sei "absolut sinnvoll", sagte die Grünen-Politikerin am Samstag nach einem Treffen mit ihrem moldauischen Amtskollegen Nicu Popescu in Chisinau. Zugleich kündigte sie an, die Bundesregierung werde in einem ersten Schritt 2500 ukrainische Geflüchtete aus Moldau direkt nach Deutschland holen. Dies habe sie mit Innenministerin Nancy Faeser (SPD) vereinbart.

 

Dies werde nur ein Anfang sein, auch mit anderen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union Moldau bei der Aufnahme und Verteilung von Geflüchteten zu unterstützen, sagte Baerbock. Dafür sei ein "Grüner Korridor" mit Bussen über Rumänien im Aufbau. Menschen sollten zudem direkt aus Moldau ausgeflogen werden oder über Nachbarländer mit größeren Kapazitäten an den Flughäfen. Dies könne auch über den Atlantik geschehen, sagte Baerbock - also etwa in die USA oder nach Kanada. "Man muss sehr pragmatisch in dieser Situation sein und jetzt nicht ein hundert Prozent perfektes Konzept für in drei Monaten erarbeiten".

Die EU habe für Moldau Soforthilfen von fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt, die Bundesregierung nochmals drei Millionen Euro zusätzlich, sagte Baerbock. Diese Mittel kämen zusätzlich zu den 37 Millionen Euro an Wirtschaftshilfen für dieses Jahr, die das Entwicklungsministerium bereits eingeplant habe. Moldau hatte nach Angaben von Popescu insgesamt rund 300 000 Menschen aus der Ukraine aufgenommen, von denen mehr als 100 000 noch im Land seien.

US-Präsident Biden: Wir müssen Dritten Weltkrieg verhindern

02.14 Uhr: Eine direkte militärische Konfrontation in der Ukraine zwischen dem US-Militär und den russischen Streitkräften muss nach Ansicht von Präsident Joe Biden verhindert werden, damit es nicht zu einem „dritten Weltkrieg" kommt. Das US-Militär und die Nato-Partner werden „jeden Zentimeter" des Bündnisgebiets geeint und „mit voller Macht" verteidigen, schrieb Biden am Freitag auf Twitter. „Aber wir werden in der Ukraine keinen Krieg mit Russland führen. Eine direkte Konfrontation zwischen der Nato und Russland ist der dritte Weltkrieg - und etwas, das zu verhindern, wir uns bemühen müssen", schrieb der Demokrat. Die Ukraine ist kein Nato-Mitglied.

Bei einem Auftritt vor Parteifreunden im US-Bundesstaat Pennsylvania hatte sich der Demokrat Biden am Freitag auch zu der Debatte um die mögliche Übergabe von Kampfflugzeugen an die Ukraine geäußert. Es dürfe keine Situation geben, in der die USA Flugzeuge oder Panzer mit amerikanischer Besatzung in die Ukraine schickten, sagte Biden. „Das muss man verstehen, da darf man sich nichts vormachen, egal was alle sagen - das heißt dann dritter Weltkrieg", sagte der Präsident.

Selenskyj appelliert an russische Mütter: „Schicken Sie ihre Kinder nicht in den Krieg"

Samstag, 12. März, 01.39 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat einen Appell an die Mütter russischer Soldaten gerichtet. „Schicken Sie Ihre Kinder nicht in den Krieg in einem fremden Land", sagte Selenskyj am Freitag in einem auf Telegram veröffentlichten Video. Seine Botschaft richte sich vor allem an die Mütter von Wehrpflichtigen.

„Überprüfen Sie, wo Ihr Sohn ist. Und wenn Sie auch nur den geringsten Verdacht haben, dass Ihr Sohn in den Krieg gegen die Ukraine geschickt werden könnte, handeln Sie sofort", um zu verhindern, dass er getötet oder gefangen genommen wird, sagte der ukrainische Präsident. „Die Ukraine hat diesen schrecklichen Krieg nie gewollt", fügte Selenskyj hinzu. Sein Land werde sich aber gegen den russischen Angriff verteidigen. 

Russland hatte am Mittwoch erstmals den Einsatz von Wehrpflichtigen in der Ukraine zugegeben. Präsident Wladimir Putin habe die Anweisung erteilt, den Einsatz von Wehrpflichtigen „kategorisch auszuschließen", erklärte das Verteidigungsministerium. Am Montag hatte Putin noch versichert, dass er keine Wehrpflichtigen oder Reservisten in die Ukraine schicken werde und dass nur „Profis" die Aufgabe hätten, die „festgelegten Ziele" zu erfüllen.

Melnyk: Initiative zu Russland-Reise ging von Schröder aus

22.15 Uhr: Die Initiative zu der Reise von Gerhard Schröder nach Russland ging nach Angaben des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk, vom Altkanzler selbst aus. "Ich darf im Moment noch keine Einzelheiten verraten", sagte Melnyk am Freitagabend in der "Bild"-Sendung "Viertel nach Acht". Aber der Vorschlag zu dieser Initiative sei in den vergangenen Tagen von Schröder gekommen, sie sei nicht auf Bitten der Ukraine erfolgt. Schröder habe sich indirekt gemeldet, "über gewisse Kontakte, die auch Kontakte zur Ukraine haben". Dem Botschafter zufolge lief dies über den schweizerischen Ringier-Verlag.

Melnyk sagte weiter: "Es gibt nicht so viele Menschen weltweit und auch in Deutschland vielleicht, die diesen persönlichen Draht zu Herrn Putin haben." Auf die Frage nach Resultaten der Gespräche in Moskau sagte der Botschafter, er könne sagen, "dass eventuell morgen wir auch direkt von Herrn Schröder hören werden", was die Ergebnisse des Treffens mit Kremlchef Wladimir Putin gewesen seien. "Ich weiß, dass Herr Schröder bereit ist, darüber auch zu berichten, über Kanäle, die jetzt quasi nicht öffentlich laufen. Und das ist gut, dass man zumindest da auch eine gewisse Hoffnung hat."

Schröder war am Mittwoch nach Moskau gereist, um mit Putin Gespräche über den Ukraine-Krieg zu führen. Nach dpa-Informationen fand ein Gespräch zwischen Schröder und Putin am Donnerstag statt. Der Kreml äußerte sich am Freitag nicht dazu.

Schröder hatte seine Reise nach Moskau nicht mit der Bundesregierung abgestimmt. Er reiste nach dpa-Informationen über Istanbul nach Moskau. In der türkischen Metropole habe er eine ukrainische Delegation getroffen, bevor er am Mittwoch von einem russischen Flugzeug abgeholt worden und nach Moskau geflogen sei.

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mmo, lho, al, sca, rob, til/dpa

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