Krieg in der Ukraine : Regierung befürchtet Zuspitzung rund um Mariupol und im Osten


Journalistin Owsjannikowa sieht Russland vor Abgrund Marina Owsjannikowa (43), russische TV-Journalistin, zeigt sich besorgt um die Auswirkungen westlicher Sanktionen. Sie träfen nicht die Führung, „sondern die einfachen Menschen", sagte Owsjannikowa im Interview der „Welt" (Montag). Preise seien gestiegen, und viele Dinge stünden gar nicht mehr zur Verfügung: „Man kann für Kinder zum Beispiel keine fiebersenkenden Mittel mehr bekommen. Wir treiben auf einen Abgrund zu."

Im Westen zeige sich eine „starke Russophobie", kritisierte die Journalistin. Zugleich betonte sie, der „blutige Krieg" in der Ukraine müsse beendet werden. „Jeder Tag fordert Menschenleben."

Die TV-Journalistin war international bekannt geworden, als sie während einer Nachrichtensendung im russischen Staatsfernsehen ein selbst geschriebenes Antikriegsplakat in die Studiokamera gehalten hatte. Sie forderte ein Ende des Krieges und appellierte an die Zuschauer, der russischen Propaganda nicht zu glauben.

Sie hoffe, dass ihre Aktion „zumindest einige Menschen" nachdenklich gemacht habe, erklärte Owsjannikowa jetzt. Sie wisse jedoch nicht, wie es gelingen könnte, „die Barriere der Staatspropaganda zu überwinden". Die Medien, die noch präsent seien, seien „gefährdet, als ausländische Agenten eingestuft zu werden".

Das russische Publikum habe „keine andere Perspektive mehr" als staatliche Medien. „Alle Massenmedien, die auch nur ein ganz klein wenig anders berichteten, sind geschlossen worden", sagte Owsjannikowa. Die „graue Masse" glaube der Propaganda, die sich „von morgens bis abends über sie ergießt".

Manche Menschen hätten sich Prepaid-Handys besorgt, um staatliche Blockaden zu umgehen und westliche Medien empfangen zu können. „Aber das können sich nicht sehr viele Menschen leisten." (KNA)

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